Durch’s grüne Gewölbe entlang des ‘Canal de Garonne’ nach Serignac

Nach dem Queren der Garonne in La Réole geht es wenige Kilometern am Fluss entlang, dann wechselt die Route auf den Treidelpfad entlang des Garonne Seitenkanals. Kurz vor Hure (90 Km nordwestlich von Condom) passieren wir den nullten Längengrad und wechseln sozusagen auf die Osthälfte des Planeten. Heute ist es schon den 2. Tag in Folge warm und sonnig, bei nur leichtem Gegenwind, gesättigt mit Gräserpollen und flauschigen Pappelsamen.

Die Fahrt geht praktisch den ganzen Tag entlang des Kanals im Schatten gewaltiger Platanen, die bei dessen Bau, ca. 1850, teilweise in zwei Reihen auf jeder Seite gepflanzt wurden, vermutlich um den Damm zu stabilisieren. Das Spiegeln der Bäume im Wasser des Kanals und die Lichtverhältnisse durch das lichte Blätterdach schaffen eine zauberhafte Atmosphäre, dazu singen viele verschiedene Vogelarten, es fühlt sich fast an wie im tropischen Regenwald oder in einem riesigen Gewächshaus. Man darf sich keinen Sekundenschlaf oder sonstige Ablenkung erlauben, sonst fällt man kopfüber in den Kanal oder fliegt auf der anderen Seite die Böschung runter, der Pfad ist nur ca. 2 Meter breit. Oft queren Brücken den Kanal, dann geht es kurz steil hinauf und wieder runter, an wenigen Brücken führt der Weg auch bequem unten durch. Einige Schleusen passieren wir, ab und zu kommen uns Radfahrer oder sogar ein Schiff entgegen. Cafés wiederum sucht man vergebens, bestenfalls Campingplatz-Buden, denen wir nichts abgewinnen. Nach der halben Strecke findet sich endlich ein Restaurant am Weg, das uns gnädigerweise einen Kaffee serviert, der wohl sonst nur zum Abschluss des Menüs gereicht wird. Wir haben heute unsere Brotzeit am Fluss verzehrt, da nach einem Restaurantbesuch der Bauch so voll wie der Geldbeutel leer ist und dadurch das Vorankommen erheblich beeinträchtigt wäre.
Kurz vor unserem Ziel, Serignac, überholt uns doch tatsächlich ein ganzer Radfahrverein mit Rennrädern und E-Bikes. Wie schön sich für ein paar Kilometer in den Windschatten dranhängen zu können.
In Serignac haben wir ein Zimmer in einem alten Gutshof, dem nur leider das Schicksal eine stark befahrene Straße vor die Nase geteert hat. Im Garten bekommen wir schon wieder Gaumenfreuden in drei Gängen serviert, mit Hase, Wachtel und Kalbsbries etwas exotischer als üblich.

69 Km, 197 Hm, perfekt, nur der Pfad am Kanal entlang sollte mal frisch gebügelt werden

Durch das Bordelais nach La Réole

‘Früh’ um 9 sind wir schon in Bordeaux los gefahren, denn die Etappe heute ist lang und nicht völlig flach. Fabrice hat uns ein kleines Frühstück bereitet und mit dem Argument, von München sei es doch nur gut eine Stunde Flugzeit, herzlich eingeladen nochmal zu kommen, damit wir mehr Zeit für Bordeaux hätten. In der Tat haben wir erst durch die free walking Tour gemerkt, was man alles interessantes noch hätte ansehen können, aber wir hatten schon die nächsten Unterkünfte gebucht. Da wohl viele Franzosen die Feiertagswoche für einen Kurzurlaub nutzen, hatten wir Sorge, es könnte eng werden. Eng wurde auf jeden Fall die Hose, soviel kann man gar nicht wegradeln, wie man hier mit leckeren Kalorien gestopft wird.
Der Radweg entlang der Garonne, die fasst überläuft, wenn Flut ist und das Wasser nicht abfließen kann, ist sehr ordentlich und mündet nach ca. 10 Kilometern in eine ehemalige Bahnstrecke. Die Route ist mit max. 2% Steigung sehr locker zu befahren, was dazu führt, dass nicht nur viele mit dem Rennrad sondern auch Familien mit kleinen Kindern unterwegs sind. Viel Betrieb, der mit zunehmender Entfernung von Bordeaux aber etwas abnimmt. Es geht durch feuchte Wälder, manchmal wie im grünen Tunnel aber nach ca. 30 Kilometern gelangen wir dann in das berühmte Bordelais, auf sanften Hügeln ziehen sich die Reihen der Rebstöcke soweit man blicken kann. In einige der alten Bahnhöfe sind jetzt Restaurants bzw. Cafés eingezogen und wir machen an einem Halt für einen Café crème. Zu Mittag sind wir am Ende der Bahnstecke in Sauveterre de Guyenne und lassen uns am Dorfplatz unter schattigen Arkaden (29° auf dem Apothekenthermometer) ein überaus fettig-leckeres Menü servieren. Im Gespräch mit einem Ehepaar aus Toulouse am Nachbartisch werden wir mal wieder bestaunt, mit den Rädern aus Sevilla gekommen zu sein. Auf den restlichen 15 Km nach La Réole sammeln wir fast alle Höhenmeter des Tages ein, nicht einfach mit dem restlos verputzten Schweinebauch. In vielen Weinbergen sind die Bauern unterwegs mit Traktor und Giftspritze, da mag man aber gar nicht anhalten.

La Réole ist ein Dorf mit zwei Gesichtern, ein Teil macht einen verfallenen, fast ruinenhaften Eindruck, Geschäfte und Wohnungen stehen leer, vor und in dem kleinen Supermarkt abgerissene Gestalten, Besoffene, Obdachlose. Da haben wir unser Appartement und finden es etwas gruselig. Bei einem Rundgang und der Suche nach einer Bar kommen wir runter an die Garonne, deren Uferpromenade nur ein großer Parkplatz ist. Die Bar, die wir für die einzige des Ortes halten liegt unter den Bahngleisen, mäßig attraktiv. Nach einem Glas Wein gehen wir weiter und entdecken plötzlich den anderen Teil von La Réole, sehr hübsch hergerichtet, mit Kletterrosen bewachsene alte Häuser, einige Restaurants und ein respektables Koster, das offen steht für einen Rundgang mit toller Aussicht auf die Garonne und das Umland. Aber plötzlich hören wir jemanden Türen absperren und beeilen uns in Richtung Ausgang, direkt in die Fänge des Klosterwächters, der uns, höchst erfreut über so späten Besuch, allerlei zu der Abtei, zu seinem Lebensweg, zu der gerade so überlebten Covid Infektion, zu dem Fallschirm-springenden Bürgermeister, übrigens Mathelehrer, usw. erzählt. Ab und zu streut er ein paar Fragen ein, um zu prüfen, ob wir auch verstehen, was er erzählt. Irgendwann ist die letzte Tür zugesperrt und wir sind wieder frei, den Rundgang durch die Gassen fortzusetzen und schließlich unser Haus wieder zu finden, von dessen eingehausten Balkon wir beim Abendessen wieder auf den vergammelten Teil des Dorfes blicken. Was einem so alles unterkommt…

74 Km, 507 Hm, wären nur alle Radwege so schön gewesen wie heute…

F(r)eiertag in Bordeaux

Unglaublich, der erste Sommertag seit Wochen, kein Regen, kein Wind, sonnig und warm! Wie geschaffen für einen ausgiebigen Bummel durch die Stadt, die ein wenig unübersichtlich ist, da es kein markantes Zentrum gibt, an dem man sich orientieren könnte. Heute ist der 8. Mai, Ende des 2. Weltkriegs, Feiertag in Frankreich und es scheint, als wäre jede und jeder auf der Straße, im Café, in der Weinbar, im Bistrot, oder flanieren. Unser erster Programmpunkt ist das Besteigen des Turms Pey-Berland, der allein stehende Glockenturm der Kathedrale Saint André. Wegen der engen Wendeltreppe muss man ein Ticket voraus buchen, was wir gestern gemacht haben. So dürfen wir uns um 10:30 die 233 Stufen hinaufwinden. Das ist wohl der höchste Aussichtspunkt in Bordeaux und natürlich haben wir das Fernglas im Hotel vergessen, das Teil hat sich als das unsinnigste neben den Badesachen herausgestellt. Aber auch ohne Fernglas hat man eine tolle Aussicht und gewinnt eine gewisse Orientierung. Besonders sticht heraus eine Hebebrücke über die Garonne, durch die die Kreuzfahrtschiffe hindurch müssen, die in der Stadt anlegen, das Justizzentrum, der Glockenturm ‘Grand Cloche’, der sich um 11 Uhr sehr laut vernehmen lässt (aber immerhin hat die Glocke einen schönen Klang, anders als die Blechtöpfe in Spanien) und noch die Säule zu Ehren der Girondisten, die eine Rolle in der französischen Revolution gespielt haben.

Nach einem langen Marsch hinunter zum Fluss und wieder zurück in die Stadt kehren wir in einem der unzähligen (> 1500) kleinen Restaurants in der Nähe der ‘Grand Cloche’ ein und essen wieder mal sehr lecker!
Nach einer kurzen Mittagspause im Hotel geht es um 4 weiter zu einer free walking Tour, auf der wir im Laufe der 2 Stunden nicht nur sehr viel laufen sondern auch von dem irischen (!) Guide komplett zugetextet werden, aber dabei wirklich viel interessantes über Geschichte und Gegenwart der Stadt lernen. So ist z.B. ein großer Teil der Stadt UNESCO Weltkulturerbe und deshalb in seiner alten Bausubstanz praktisch unveränderbar. Sehr viele der alten Bauwerke sind in einem gut renovierten und sauberen Zustand, was auf ein Programm des früheren Bürgermeisters Alain Juppé aus den 90er Jahren zurückgeht, der auch die Autos radikal aus der Altstadt verbannt hat, dafür kostenlose Leihfahrräder und eine oberleitungsfreie Straßenbahn initiiert hat.

Ein wenig erschöpft suchen wir eine der empfohlenen Weinbars auf und lassen uns anhand des erlernten Fachwissens über die Weine des Bordelais drei hervorragende Gläser servieren, nebst einer ebenso feinen Käseplatte.

Das Nachtmahl haben wir uns im Carrefour zusammengestellt, die auf mannigfaltigen Ausschlusskriterien beruhende hochkomplexe Auswahl eines weiteren Restaurants hätte unsere mentale Kapazität heute nicht mehr zugelassen.

Nach dem Austernfrühstück mit dem Zug gefahren

Die Markthalle in Arcachon liegt vis-a-vis zu unserem Hotel, da bot es sich an, das Frühstück gleich in dem Gourmettempel einzunehmen. Die Halle ist voll mit sehr fein dekorierten Ständen besonders für Fisch und Austern. An die hohen Preise für Lebensmittel haben wir uns ja schon etwas gewöhnt, aber 8 € für eine Auster schien dann doch über unserem Budget, bis man etwas genauer hinguckt und liest, dass der Preis für ein Dutzend gilt. Soviel schaffen wir auf nüchternen Magen aber gar nicht und zum Glück kann man auch ein halbes Dutzend kaufen, was dann billiger kommt als ein Café crème…

Auf Wunsch der Gattin fahren wir nicht noch eine 150 Km lange Schleife durch das Medoc sondern mit dem Zug direkt nach Bordeaux, das dauert nicht zwei Tage sondern nur eine Stunde und da es mal wieder ab und zu regnet, bleiben wir dafür lieber einen Tag länger in Bordeaux. Unser ‘Hotel’ liegt in einer ziemlich heruntergekommenen Gegend und auch das Haus selber macht erstmal keinen einladenden Eindruck. Die Fahrräder dürfen im Innenhof bleiben, wir müssen hinauf in den 2. Stock über wenig vertrauensvolle Treppen aus einem früheren Jahrhundert. Das Zimmer aber ist eine absolute Überraschung, mit antiken Möbeln, Sesseln, Porzellanfiguren, altem Teppich und Gemälden.

‘La Grand Dune du Pilat’, die größte Wanderdüne Europas

Der Weg zurück von Biscarrosse ans Meer führt an dem großen See Lac de Cazaux entlang, der nach den heftigen Regenmengen dieses Frühjahrs überläuft und die Uferbereiche in eine Sumpflandschaft verwandelt hat, zum Glück ist der Radweg etwas erhöht angelegt. Zwischen See und Meer liegen schon die ersten Sanddünen, die aber bewaldet sind und deshalb kaum als solche erkennbar sind (außer natürlich, dass es in sanften bis weniger sanften Wellen bergauf und bergab geht.

In Biscarrosse Plage, dem Strandort sieht man vom Strand wenig, denn wieder ist eine Düne davor, der Ort selber: Schwamm drüber. Der Radweg verläuft weiter wunderschön durch lichte Pinienwälder, die immer lichter werden und dann ganz verschwunden sind, denn vor 2 Jahren hat es hier verheerende Waldbrände gegeben, die den Wald hinter den Dünen fast komplett vernichtet haben. Außer etwas Farn und Gesträuch sieht man nur die verkohlten Reste und ein einsames Reh, das noch nicht richtig begriffen hat, dass seine Deckung weg ist. Der Wind bläst kräftig aus Süd-West, das passt doch ganz gut zu unserem Kurs.

Die eigentliche Attraktion der Gegend ist schon von weitem nicht zu übersehen, die 60m hohe Wanderdüne, Dune du Pilat. An der zugänglichsten Stelle findet sich ein großer Parkplatz mit touristischere Infrastruktur, die wohl vor dem Feuer gerettet werden konnte (aber gleich dahinter sieht man wieder verkohlte Stümpfe). Selbst die Fahrradstellplätze sind fast komplett belegt, wie überhaupt sehr viele Radfahrer hier unterwegs sind, entweder minimalistisch auf dem Rennrad oder mit Sack und Pack auf dem (E-)Bike. Der Aufstieg auf die Düne wird durch eine Treppe erleichtert. Oben ist ein reges Treiben französischer Teenager auf Klassenfahrt, die mit viel Spaß die Düne hinunter purzeln. Die Ausdehnung der Sandmassen erfasst man überhaupt erst von oben, mit prächtiger Aussicht auf den Atlantik und die übrig gebliebenen Wälder im Landesinneren. Der Wind ist hier oben so stark, dass die Waden fast schon schmerzhaft sandgestrahlt werden. Das ist schon ein ganz besonderes Naturspektakel, das wir so nicht erwartet hatten und entschädigt vollauf für die erlebnis-flachen Etappen der letzten beiden Tage.

Unser Etappenziel, Arcachon, ist berühmt für seine Austern, wir bekommen sie im ‘La Petite Moulerie’ zu unserem Menü als Vorspeise, dann eine RIESEN Portion Muscheln in feiner Sauce und nach dem Dessert kugeln wir randvoll nach Hause in unser hübsches Hotel.

52 Km, 367 Hm, wunderschön geführte Radroute

Im Niemandsland nach Biscarrosse

Die Dörfer und Städtchen in dieser Gegend sind unterschiedlich benannt, sonst könnte man sie nicht unterscheiden. Es geht durch Wälder und Wiesen meist auf Radwegen entlang der Straße, bis auf eine Strecke an einem namenlosen See, die abseits vom Verkehr liegt. Hier machen wir Mittagspause, denn es ist heute ausnahmsweise richtig warm und essen unseren Salat aus der Tüte. Zur Vermeidung eines Regenschauers kehren wir kurz danach für einen Kaffee in einem Campingplatz-Restaurant ein und tatsächlich kommt die Sonne bald wieder heraus.
Schon früh sind wir in Biscarrosse und kommen an einem gut besuchten Boule Tournier vorbei, fun fact am Rande: Damit sich die Herrschaften nicht bücken müssen, haben sie alle eine Schnur mit Magneten dran, um die Kugel damit wieder aufzuheben.

Auf der Terrasse warten wir, bis das Hotel um 16:00 öffnet. Für das Abendessen gibt es keine Auswahl, bis auf einen Thailänder und eine take away Pizzeria ist alles geschlossen. Logisch, wer unter der Woche genug verdient, muss am Sonntag nicht arbeiten.

54 Km, 111 Hm, so dahin geradelt. Der Bau der Radwege ist hier meist so minderwertig ausgeführt, dass die Baumwurzel leichtes Spiel haben und man immer wieder kräftig durchgeschüttelt wird. Da hat doch der Seitenstreifen an den Straßen in Spanien besser zu den Bedürfnissen der Radfahrenden gepasst.

Hinter den Dünen nach Saint Julien en Born

Die Dörfer an der Küste sind stark auf die Sommersaison ausgerichtet, um diese Jahreszeit ist noch vieles geschlossen und man tut gut daran, das im Hotel angebotene Frühstück zu nehmen, auch wenn Kaffee und Orangensaft nie das von Spanien gewohnte Niveau erreichen. Dafür wiederum sind Croissant und Baguette viel besser. Wir putzen alles weg, denn für ein 2. Frühstück gibt es kaum Gelegenheit. Heute fahren wir 45 Kilometer (zugegeben flach und ohne Wind) bis zur Mittagspause, denn vorher gab es nix. Die Route führt erst auf einer ehemaligen Bahntrasse entlang, asphaltiert und abseits der Straße meist durch hohe Pinienwälder, sehr angenehm. Weiter geht es fast den ganzen Tag auf einem angelegten Radweg durch die Dünenlandschaft, die aber oft dicht bewaldet ist. Abgeholzte Flächen sind schon wieder dicht bewachsen mit tausenden kleiner Pinien, die mit dem Ginster um die Herrschaft kämpfen (natürlich verliert der Ginster nach ein paar Jahren).

Gegen Mittag fängt es leicht an zu regnen, aber da will man nicht meckern, denn es war ursprünglich viel mehr Niederschlag angekündigt. In Contis les Bains machen wir Mittagspause in einem gut besuchten Restaurant, wo wir uns für das Mittagsmenü entscheiden. Die Wahl war gut und günstig zudem, bisher waren wir in Frankreich mit der Qualität des Essens immer sehr zufrieden. Die restlichen 10 Km fahren wir ins Landesinnere nach Saint Julien en Born, da haben wir ein relativ günstiges Appartement in einem 150 Jahre alten, hübsch im Grünen gelegenen Landhaus bekommen. In Meeresnähe ist es doch erheblich teurer, obwohl es wegen der Dünen sowieso keinen Meerblick gibt. Im Carrefour Supermarkt am Ort haben wir uns mehr als gründlich für das Abendessen eingedeckt, Pasteten und Käse, vive la France!

55 Km, 197 Hm, locker vom Hocker

Von Biarritz nach Vieux Boucau Les Bains

Nach dem letzten Hügel in Biarritz wird es tatsächlich flach… Bis weit hinter Bayonne fahren wir, zwar auf unsäglichen Radstreifen getrennt vom starken Verkehr, durchweg in bebautem Gebiet. Das bremst nicht nur das Vorankommen sondern dämpft auch die Laune. Auf der Straße fahrend wird man belehrt, den Radweg zu benutzen, nicht wirklich laissez-faire. In zwei Monaten Portugal und Spanien haben wir nicht einen Unfall beobachtet, schon am 2. Tag in Frankreich passieren wir (in der Stadt Bayonne) eine Unfallstelle an der ein Auto hochkant, völlig zerbeult, auf dem Fußweg liegt. Das ist jetzt nicht nur Zufall, man muss auf der Hut sein. Am Zebrastreifen wird nur angehalten, wenn eine Zebra queren will. Bayonne durchfahren wir ohne anzuhalten, aber mit einem Schlenker durch die Altstadt, die aus vielen hübschen Fachwerkhäusern besteht.
Hinter Bayonne nach Capbreton verläuft der Weg entlang von Kanälen durch Wälder abseits vom Verkehr aber über viele Kilometer durch eine Kette von Campingplätzen und Bungalowanlagen. Auch die ‘EuroVelo 1’ Markierung finden wir wieder und als neuer Gag kommt hinzu: ‘Route Inondé’, bevor wir es übersetzt haben, wird die Bedeutung auch so klar, als sich der Weg in einer weiten Wasserfläche verliert und wir, fast querfeldein, einen trockenen Weg zurück zur nächsten Straße suchen müssen. In Capbreton kaufen wir in einem spärlich sortierten Spar ein und lassen uns dann auf einem Treppchen am Strand nieder für die Mittagspause. Die Qualität von Brot, Käse und Pastete ist aber tatsächlich französisch gehoben und die Rechnung verglichen mit einem Restaurant sehr überschaubar. Den Café au lait, der hier Café crème heißt, bekommen wir im Strandcafé serviert. Nach Vieux Boucau fahren wir zwar ein Stück am Meer entlang, aber hinter der hohen Düne sieht man davon nichts. Insgesamt kein anstrengender Tag, aber auch ein Tag ohne ein einziges Foto gemacht zu haben, also eher langweilig. Erwähnenswert ist noch das Zimmer in unserem Hotel in Vieux Boucau, das zwei Nasszellen hat, jede mit 0,5 m² Standfläche und 0,25 m² Duschecke. Ideal für alte Menschen, die leicht mal umfallen im Bad.

59 Km, 232 Hm, die Radwege trainieren das hasenartige Kurven fahren, 90° rechts, links, rechts, links… und an jeder Einmündung hat natürlich das Auto Vorfahrt.

Adios España, von San Sebastian nach Biarritz

Das war ein nerviger Tag, obwohl ja mal die Sonne schien und es nachmittags sogar warm wurde. In San Sebastian gibt es feine Radwege, aber an der Stadtgrenze führt nur der eine Weg hinaus über eine 4-spurige Schnellstraße und der Verkehr bis Irun ist sehr dicht und LKW-lastig. San Sebastian und Irun haben Seehäfen und Bahnanschluss, also auch viel Industrie und Logistik. In Irun finden wir ein Fahrradgeschäft am Weg und ich kann die losen Kettenblattschrauben erneuern bzw. festziehen. Der Werkstattmeister verkauft mir sogar sein Spezialwerkzeug und ich kann mir in seinem Laden nach der Reparatur die Hände waschen – sehr nette Leute.

Wir machen in der schmucklosen Stadt ein 2. Frühstück und dann geht es ohne irgendeinen Hinweis bei einer Brücke rüber nach Hendaye in Frankreich – man merkt es eigentlich erst an der merkwürdig anderen Sprache. Es geht am schönen langen Strand entlang, viele Surfer sind im Wasser aber nur wenige sieht man mal auf dem Brett. Zurück auf der Landstraße muss man feststellen, dass die Franzosen eindeutig zu viele Autos haben, dieser unablässiger Verkehr nervt gewaltig. Wir verlassen die Landstraße und geraten auf eine übel steile, schlechte Nebenstraße, die auch noch renoviert wird, d.h. Baufahrzeuge und loser Split. Aber ruhig ist es hier und die Aussicht ist in alle Richtungen toll, rückwärts die Ausläufer der Pyrenäen, vorwärts der Atlantik mit dem Städtchen Saint Jean de Luz.

Saint Jean de Luz ist nett hergerichtet mit einigen Fachwerkhäusern, Fußgängerzone und vielen Cafés. Es wimmelt nur so von Menschen, völlig unerwartet. Wir machen eine Mittagspause mit leckerem Salat, preislich leider auf Münchner Niveau, außer das Bier, das doppelt so teuer ist.
Noch sind 20 Kilometer entlang der Küste zu fahren und es geht keine 100 m eben dahin, nur rauf oder runter, durch Dörfer und schicke Ferienhaussiedlungen bis Biarritz. Dort wartet ein nettes älteres Ehepaar in seinem Hotel auf uns, wo wir ein ziemlich winziges Zimmer haben. Es liegt aber nah am Meer mit einer kleinen sandigen Bucht, auf deren einer Seite spannende Felsformationen ins Meer ragen, auf die eine Brücke führt, von der man des Brechen der Wellen aus nächster Nähe beobachten kann.
Insgesamt hat der Ort wohl seinen Zenit überschritten, das mondäne Seebad ist schon lange nicht mehr Ziel der Haute Volée.

Zum Abendessen gibt es Galettes und Crêpes mit einem guten lokalen Weißwein (aus der Gascogne).
58 Km, 812 Hm, zu viel Verkehr, ständig unterbrochene Radwegfragmente, anstrengendes Stop & Go!