‘La Grand Dune du Pilat’, die größte Wanderdüne Europas

Der Weg zurück von Biscarrosse ans Meer führt an dem großen See Lac de Cazaux entlang, der nach den heftigen Regenmengen dieses Frühjahrs überläuft und die Uferbereiche in eine Sumpflandschaft verwandelt hat, zum Glück ist der Radweg etwas erhöht angelegt. Zwischen See und Meer liegen schon die ersten Sanddünen, die aber bewaldet sind und deshalb kaum als solche erkennbar sind (außer natürlich, dass es in sanften bis weniger sanften Wellen bergauf und bergab geht.

In Biscarrosse Plage, dem Strandort sieht man vom Strand wenig, denn wieder ist eine Düne davor, der Ort selber: Schwamm drüber. Der Radweg verläuft weiter wunderschön durch lichte Pinienwälder, die immer lichter werden und dann ganz verschwunden sind, denn vor 2 Jahren hat es hier verheerende Waldbrände gegeben, die den Wald hinter den Dünen fast komplett vernichtet haben. Außer etwas Farn und Gesträuch sieht man nur die verkohlten Reste und ein einsames Reh, das noch nicht richtig begriffen hat, dass seine Deckung weg ist. Der Wind bläst kräftig aus Süd-West, das passt doch ganz gut zu unserem Kurs.

Die eigentliche Attraktion der Gegend ist schon von weitem nicht zu übersehen, die 60m hohe Wanderdüne, Dune du Pilat. An der zugänglichsten Stelle findet sich ein großer Parkplatz mit touristischere Infrastruktur, die wohl vor dem Feuer gerettet werden konnte (aber gleich dahinter sieht man wieder verkohlte Stümpfe). Selbst die Fahrradstellplätze sind fast komplett belegt, wie überhaupt sehr viele Radfahrer hier unterwegs sind, entweder minimalistisch auf dem Rennrad oder mit Sack und Pack auf dem (E-)Bike. Der Aufstieg auf die Düne wird durch eine Treppe erleichtert. Oben ist ein reges Treiben französischer Teenager auf Klassenfahrt, die mit viel Spaß die Düne hinunter purzeln. Die Ausdehnung der Sandmassen erfasst man überhaupt erst von oben, mit prächtiger Aussicht auf den Atlantik und die übrig gebliebenen Wälder im Landesinneren. Der Wind ist hier oben so stark, dass die Waden fast schon schmerzhaft sandgestrahlt werden. Das ist schon ein ganz besonderes Naturspektakel, das wir so nicht erwartet hatten und entschädigt vollauf für die erlebnis-flachen Etappen der letzten beiden Tage.

Unser Etappenziel, Arcachon, ist berühmt für seine Austern, wir bekommen sie im ‘La Petite Moulerie’ zu unserem Menü als Vorspeise, dann eine RIESEN Portion Muscheln in feiner Sauce und nach dem Dessert kugeln wir randvoll nach Hause in unser hübsches Hotel.

52 Km, 367 Hm, wunderschön geführte Radroute

Im Niemandsland nach Biscarrosse

Die Dörfer und Städtchen in dieser Gegend sind unterschiedlich benannt, sonst könnte man sie nicht unterscheiden. Es geht durch Wälder und Wiesen meist auf Radwegen entlang der Straße, bis auf eine Strecke an einem namenlosen See, die abseits vom Verkehr liegt. Hier machen wir Mittagspause, denn es ist heute ausnahmsweise richtig warm und essen unseren Salat aus der Tüte. Zur Vermeidung eines Regenschauers kehren wir kurz danach für einen Kaffee in einem Campingplatz-Restaurant ein und tatsächlich kommt die Sonne bald wieder heraus.
Schon früh sind wir in Biscarrosse und kommen an einem gut besuchten Boule Tournier vorbei, fun fact am Rande: Damit sich die Herrschaften nicht bücken müssen, haben sie alle eine Schnur mit Magneten dran, um die Kugel damit wieder aufzuheben.

Auf der Terrasse warten wir, bis das Hotel um 16:00 öffnet. Für das Abendessen gibt es keine Auswahl, bis auf einen Thailänder und eine take away Pizzeria ist alles geschlossen. Logisch, wer unter der Woche genug verdient, muss am Sonntag nicht arbeiten.

54 Km, 111 Hm, so dahin geradelt. Der Bau der Radwege ist hier meist so minderwertig ausgeführt, dass die Baumwurzel leichtes Spiel haben und man immer wieder kräftig durchgeschüttelt wird. Da hat doch der Seitenstreifen an den Straßen in Spanien besser zu den Bedürfnissen der Radfahrenden gepasst.

Hinter den Dünen nach Saint Julien en Born

Die Dörfer an der Küste sind stark auf die Sommersaison ausgerichtet, um diese Jahreszeit ist noch vieles geschlossen und man tut gut daran, das im Hotel angebotene Frühstück zu nehmen, auch wenn Kaffee und Orangensaft nie das von Spanien gewohnte Niveau erreichen. Dafür wiederum sind Croissant und Baguette viel besser. Wir putzen alles weg, denn für ein 2. Frühstück gibt es kaum Gelegenheit. Heute fahren wir 45 Kilometer (zugegeben flach und ohne Wind) bis zur Mittagspause, denn vorher gab es nix. Die Route führt erst auf einer ehemaligen Bahntrasse entlang, asphaltiert und abseits der Straße meist durch hohe Pinienwälder, sehr angenehm. Weiter geht es fast den ganzen Tag auf einem angelegten Radweg durch die Dünenlandschaft, die aber oft dicht bewaldet ist. Abgeholzte Flächen sind schon wieder dicht bewachsen mit tausenden kleiner Pinien, die mit dem Ginster um die Herrschaft kämpfen (natürlich verliert der Ginster nach ein paar Jahren).

Gegen Mittag fängt es leicht an zu regnen, aber da will man nicht meckern, denn es war ursprünglich viel mehr Niederschlag angekündigt. In Contis les Bains machen wir Mittagspause in einem gut besuchten Restaurant, wo wir uns für das Mittagsmenü entscheiden. Die Wahl war gut und günstig zudem, bisher waren wir in Frankreich mit der Qualität des Essens immer sehr zufrieden. Die restlichen 10 Km fahren wir ins Landesinnere nach Saint Julien en Born, da haben wir ein relativ günstiges Appartement in einem 150 Jahre alten, hübsch im Grünen gelegenen Landhaus bekommen. In Meeresnähe ist es doch erheblich teurer, obwohl es wegen der Dünen sowieso keinen Meerblick gibt. Im Carrefour Supermarkt am Ort haben wir uns mehr als gründlich für das Abendessen eingedeckt, Pasteten und Käse, vive la France!

55 Km, 197 Hm, locker vom Hocker

Von Biarritz nach Vieux Boucau Les Bains

Nach dem letzten Hügel in Biarritz wird es tatsächlich flach… Bis weit hinter Bayonne fahren wir, zwar auf unsäglichen Radstreifen getrennt vom starken Verkehr, durchweg in bebautem Gebiet. Das bremst nicht nur das Vorankommen sondern dämpft auch die Laune. Auf der Straße fahrend wird man belehrt, den Radweg zu benutzen, nicht wirklich laissez-faire. In zwei Monaten Portugal und Spanien haben wir nicht einen Unfall beobachtet, schon am 2. Tag in Frankreich passieren wir (in der Stadt Bayonne) eine Unfallstelle an der ein Auto hochkant, völlig zerbeult, auf dem Fußweg liegt. Das ist jetzt nicht nur Zufall, man muss auf der Hut sein. Am Zebrastreifen wird nur angehalten, wenn eine Zebra queren will. Bayonne durchfahren wir ohne anzuhalten, aber mit einem Schlenker durch die Altstadt, die aus vielen hübschen Fachwerkhäusern besteht.
Hinter Bayonne nach Capbreton verläuft der Weg entlang von Kanälen durch Wälder abseits vom Verkehr aber über viele Kilometer durch eine Kette von Campingplätzen und Bungalowanlagen. Auch die ‘EuroVelo 1’ Markierung finden wir wieder und als neuer Gag kommt hinzu: ‘Route Inondé’, bevor wir es übersetzt haben, wird die Bedeutung auch so klar, als sich der Weg in einer weiten Wasserfläche verliert und wir, fast querfeldein, einen trockenen Weg zurück zur nächsten Straße suchen müssen. In Capbreton kaufen wir in einem spärlich sortierten Spar ein und lassen uns dann auf einem Treppchen am Strand nieder für die Mittagspause. Die Qualität von Brot, Käse und Pastete ist aber tatsächlich französisch gehoben und die Rechnung verglichen mit einem Restaurant sehr überschaubar. Den Café au lait, der hier Café crème heißt, bekommen wir im Strandcafé serviert. Nach Vieux Boucau fahren wir zwar ein Stück am Meer entlang, aber hinter der hohen Düne sieht man davon nichts. Insgesamt kein anstrengender Tag, aber auch ein Tag ohne ein einziges Foto gemacht zu haben, also eher langweilig. Erwähnenswert ist noch das Zimmer in unserem Hotel in Vieux Boucau, das zwei Nasszellen hat, jede mit 0,5 m² Standfläche und 0,25 m² Duschecke. Ideal für alte Menschen, die leicht mal umfallen im Bad.

59 Km, 232 Hm, die Radwege trainieren das hasenartige Kurven fahren, 90° rechts, links, rechts, links… und an jeder Einmündung hat natürlich das Auto Vorfahrt.

Adios España, von San Sebastian nach Biarritz

Das war ein nerviger Tag, obwohl ja mal die Sonne schien und es nachmittags sogar warm wurde. In San Sebastian gibt es feine Radwege, aber an der Stadtgrenze führt nur der eine Weg hinaus über eine 4-spurige Schnellstraße und der Verkehr bis Irun ist sehr dicht und LKW-lastig. San Sebastian und Irun haben Seehäfen und Bahnanschluss, also auch viel Industrie und Logistik. In Irun finden wir ein Fahrradgeschäft am Weg und ich kann die losen Kettenblattschrauben erneuern bzw. festziehen. Der Werkstattmeister verkauft mir sogar sein Spezialwerkzeug und ich kann mir in seinem Laden nach der Reparatur die Hände waschen – sehr nette Leute.

Wir machen in der schmucklosen Stadt ein 2. Frühstück und dann geht es ohne irgendeinen Hinweis bei einer Brücke rüber nach Hendaye in Frankreich – man merkt es eigentlich erst an der merkwürdig anderen Sprache. Es geht am schönen langen Strand entlang, viele Surfer sind im Wasser aber nur wenige sieht man mal auf dem Brett. Zurück auf der Landstraße muss man feststellen, dass die Franzosen eindeutig zu viele Autos haben, dieser unablässiger Verkehr nervt gewaltig. Wir verlassen die Landstraße und geraten auf eine übel steile, schlechte Nebenstraße, die auch noch renoviert wird, d.h. Baufahrzeuge und loser Split. Aber ruhig ist es hier und die Aussicht ist in alle Richtungen toll, rückwärts die Ausläufer der Pyrenäen, vorwärts der Atlantik mit dem Städtchen Saint Jean de Luz.

Saint Jean de Luz ist nett hergerichtet mit einigen Fachwerkhäusern, Fußgängerzone und vielen Cafés. Es wimmelt nur so von Menschen, völlig unerwartet. Wir machen eine Mittagspause mit leckerem Salat, preislich leider auf Münchner Niveau, außer das Bier, das doppelt so teuer ist.
Noch sind 20 Kilometer entlang der Küste zu fahren und es geht keine 100 m eben dahin, nur rauf oder runter, durch Dörfer und schicke Ferienhaussiedlungen bis Biarritz. Dort wartet ein nettes älteres Ehepaar in seinem Hotel auf uns, wo wir ein ziemlich winziges Zimmer haben. Es liegt aber nah am Meer mit einer kleinen sandigen Bucht, auf deren einer Seite spannende Felsformationen ins Meer ragen, auf die eine Brücke führt, von der man des Brechen der Wellen aus nächster Nähe beobachten kann.
Insgesamt hat der Ort wohl seinen Zenit überschritten, das mondäne Seebad ist schon lange nicht mehr Ziel der Haute Volée.

Zum Abendessen gibt es Galettes und Crêpes mit einem guten lokalen Weißwein (aus der Gascogne).
58 Km, 812 Hm, zu viel Verkehr, ständig unterbrochene Radwegfragmente, anstrengendes Stop & Go!