Erholungsurlaub in Mornas

Susi muss heute wegen der schweren Erkältung passen und wir bleiben noch einen Tag in Mornas in dem schönen Garten. Das Frühstück ist so üppig, dass wir davon noch das Mittagessen bestreiten. Ich mache mich am Nachmittag auf, die Burg von Mornas zu besuchen, die hoch über dem Rhônetal thront. Der von Google vorgeschlagene Radweg von unserer Unterkunft dahin geht durch Pinienwälder und Macchia und ist eine prima Mountainbike-Route, mit dem Tourenrad, ohne Gepäck, geht es aber mit Abstrichen auch, die Hügel zu erklimmen. Der Thymian duftet intensiv, fast zu viel des Guten. Eine Schafherde weilt im Schatten von ein paar Pinien und die 4 Böcke sind sehr beschäftigt, die Art zu erhalten.

Von oben bieten sich phantastische Fernblicke über das Rhônetal sowohl nach Norden als auch nach Süden und zum Mont Ventoux, dem höchsten Berg der Provence. Die Felsformationen sind laut Tafeln eines Naturlehrpfades Überreste der Pyrenäen, die vor 40 Millionen Jahren bis hier her gereicht haben. Der angekündigte Mistral weht gar nicht so schlimm wie erwartet, trotzdem fällt mir das Fahrrad zweimal um, es fehlen einfach die stabilisierenden 15 Kilo Gepäck. Den Burgbesuch spare ich mir, denn der Ausblick von den Felsen oberhalb ist noch besser. Der Weg hinunter ins Dorf mit mehr als 25% Gefälle bringt die Bremsscheiben auf Temperaturen zum Spiegelei braten, ist aber entsprechend kurz. Unten gibt es im netten Café de la Poste einen Café crème und vor der Rückfahrt besorge ich Medikamente und die Brotzeit für das Abendessen.

Von Avignon nach Mornas

Erst um 11 sind wir in Avignon losgefahren, da die Strecke heute nicht so weit ist und wir die morgendliche Ruhe genossen haben und gemütlich frühstücken gegangen sind. Geschlagene 15 Kilometer ging es durch Avignon und seine Vororte, zwar auf guten Radwegen, aber auf einem an Tetris erinnernden Zick-Zack Kurs. Später, entlang der Rhône, geht es entweder durch saftige Auenwälder oder auf dem Deich entlang, durchgehend frisch und breit asphaltiert, sozusagen ein Genuss-Radweg. Mit leichter Bewölkung war es auch gerade recht temperiert. In Caderousse gibt es zu Mittag ein faires 3-Gänge Menü mit einem Glas Wein dazu, Vor- und Nachspeise, wie meistens, eine Nummer besser als der Hauptgang. Entlang der Rhône verläuft der Radweg zwischen dem Fluss auf der einen Seite, Hochspannungsleitung, Bahnlinie und Autobahn auf der anderen Seite, aber vom Deich hat man doch etwas Ausblick auf die Hügel rechts und links, aber auch auf die Industrieanlagen, Kiesgruben und ein paar Kornfelder. Insgesamt so unspektakulär, dass wir nicht ein einziges (neues) Fotomotiv entdeckt haben, das einen Stopp wert gewesen wäre. Umwege zu Sehenswürdigkeiten haben wir uns aber wegen Erkältung auch erspart, da wäre gewesen Chateau Neuf du Pape oder die Burg bei Mornas auf einem Felsen 150 m über dem Fluss. Unser Appartement in einem Olivenhain hat sogar einen Pool und schöne Aussicht, ein sehr entspannter Ort, etwas außerhalb von Mornas und da lohnt es sich, ein paar Fotos zu machen.

54 Km, 150 Hm, fast nix zu meckern heute

Es geht weiter: Von Arles nach Avignon

Nach einer sehr schönen gemeinsamen Woche mit der Familie auf dem Bauernhof in Arles und einigen gemeinsamen Ausflügen in die Camargue haben wir uns verabschiedet und sind ‘back on the road’. Der erste Teil der Etappe, meist auf einsamen Landstraßen, ging nach Baucaire, wo wir wieder auf den Rhone-Radweg treffen. Eine alte Bahntrasse ist sehr schön ausgebaut und der weitere Weg führt durch blühende Ginsterbüsche, viele Mohnblumenwiesen, Weinanbau und fast schon erntereife Getreidefelder. Auch fahren wir durch Pfirsich und Aprikosenplantagen, die leider noch nicht ganz reif sind. Zur Mittagspause haben wir in Aramon schon 40 Km geschafft und es sind dann nur noch 20 Kilometer bis Avignon. Die Bedingungen sind heute fast optimal (außer der Erkältung, die wir uns fast zwangsläufig eingefangen haben), nicht zu heiß und nur wenig Gegenwind, der wird in den kommenden Tagen allerdings noch ein Thema werden.

Am Abend haben wir einen kleinen Stadtrundgang durch die engen Gassen bis zum Papstpalast gemacht und sind diesmal nicht auf dem großen Platz eingekehrt (auf dem wir uns vor 25 Jahren mal übel über den Tisch haben ziehen lassen, was man sich so alles merkt…) sondern haben ein nettes und kreatives Lokal in einer Seitengasse gefunden.

59 Km, ca. 150 Hm, sehr schöne Radwege!