Die Berge rücken nun nicht mehr nur optisch näher, auch die Route schwingt sich heute in die Hügel des Jura hinauf, denn die Rhône verläuft beim Durchqueren des französischen Jura in einer Schlucht, in der gar kein Platz für Straßen ist. Leider auch nicht für Radwege, d.h. wir fahren den ganzen Tag auf Landstraßen, die unterschiedlich stark befahren sind. Nachdem wir ohne Frühstück gestartet sind, freuen wir uns über den kleinen Markt in Seyssel, einem kleinen, hübschen Ort auf halber Strecke gelegen. Dort gibt es auch ein offenes Café, was erwähnenswert ist, denn heute ist Montag und da machen alle Franzosen das, was sie am liebsten machen, nämlich zu. Für die Brotzeit ist also schonmal gesorgt, obwohl wir noch ein Sortiment kleiner Käsestücke von gestern haben, welches aber im Lauf des Tages zu einem schmierigen Klumpen verschmolzen ist. Leider verpassen wir, wie so oft, rechtzeitig den besten Brotzeitplatz zu finden (Schatten, Aussicht, Bänkchen, ruhig gelegen, quakende Frösche sind die Mindestanforderungen) und müssen dann mit ein paar Steinen, viel zu dicht an der Bundesstraße, vorlieb nehmen. Den Käseklumpen interpretiert der Maître de Cuisine heute als Käsefondue ‘Brebis’ und das veredelt ihn sogleich in eine kulinarische Geschmacksexplosion, sogar ohne befürchtete Nachwirkungen. Das muss man den Franzosen lassen, die Phantasie bei der Benennung des Aufgetischten ist echt grenzenlos. Leben wie Gott in Frankreich eben.

Immerhin die Anstiege auf fast 600 m Höhe sind auf sehr schönen, ruhigen Nebenstraßen. An der engsten Stelle, dem Défilé de l’Écluse wacht eine alte Militärfestung ‘Fort de l’Ecluse’ in luftiger Höhe über dem Tal. Gleich daneben quert eine Eisenbahnlinie auf einer ziemlich spektakulären Brücke die Schlucht.




Noch einmal um die Kurve und wir sind in Vulbens, in dem wir ein Appartement haben, was auf seine Weise sehr an das ‘Loriot’- Zimmer von vorgestern erinnert – hier ist zwar nichts kaputt, aber das Haus und der Innenausbau sind so grottenschlecht aus lauter Restbeständen eines Baumarkts zusammen gestümpert, das es schon fast wieder als Kunst betrachtet werden kann.
51 Km, 640 Hm, Erste Berge nach 1 Monat flachradeln



















