Ein Tag Pause in Setúbal

Die Fahrräder wurden am Samstag in einer Baustelle eingesperrt, die unter unserem Loft liegt und somit deren Benutzung am Sonntag vereitelt. Mann darf aber bezweifeln, dass dafür 10 Stunden zu Fuß unterwegs sein in die Kategorie ‘Pause’ fällt. Zugegeben wurde davon 1 Stunde Mittagsschlaf am Strand genehmigt und ein, zwei Stopps im Café oder einer Bar waren durchaus erholsam.

Schon zum Frühstück musste um einen Tisch gekämpft werden, denn das Café, von unserer Wirtin empfohlen, hat offensichtlich (und zu Recht) den Ruf, die besten Pasteis de Nata mindestens in Setubal, wenn nicht ganz Portugals zu backen. Das sind kleine Blätterteigtörtchen mit Vanillecreme gefüllt. Solchermaßen abgefüllt drohte der unmittelbar folgende Programmpunkt kulinarischer Art, die Markthalle von Setubal, den Kalorienbedarf des Tages bereits um 11 Uhr vollständig zu decken. Aber wir haben uns beherrscht und nur ein paar leckere Austern gegessen, sowie für die Brotzeit ‘ein paar Kleinigkeiten’ eingekauft. Besonders beeindruckend war die Vielfalt der angebotenen Fische, wenngleich manches im Angebot durchaus fragwürdig war.

In der Semana Santa (Karwoche) wird viel für Ostern vorbereitet und geschmückt. So haben wir eine Prozession zu Palmsonntag beobachtet (beachtlich, der Klerus hinter den Gläubigen!) und auch in der Markthalle werden Fische zu kunstvollen Girlanden für den Osterstrauß verarbeitet 😉
Als nächstes galt es, die Festung de Sao Filipe zu erklimmen. Ein beindruckender Komplex mit einer famosen Aussicht über Setubal, den Hafen und die Mündung des Sado. Auf der Festung fanden wir ein kleine Kapelle, die vollflächig mit Azulejos geschmückt war, die perfekt an die unebene Form der Wände und Decken angepasst waren.

Setubal, wiewohl Industrie- und Hafenstadt, hat einen überaus charmanten Altstadtkern mit vielen gekachelten aber häufig arg renovierungsbedürftigen Häusern, schmalen Gässchen und einer vielfältigen Gastronomie. Diese Stadt hat uns bisher in Portugal am besten gefallen. In fast allen Geschäften finden sich kleine Gedichte portugiesischer Autoren in den Schaufenstern und immer wieder ‘stolpert’ man über Skulpturen.

Am Abend waren wir in einem originellen Restaurant, mit vielen kleinen Aufmerksamkeiten, die das Abendessen zu einem Erlebnis machten. So wurden uns fertige Vorspeisen auf einem Tablett zur Auswahl an den Tisch gebracht und wir haben uns für den 4. (!) Käse des Tages, ein Queijo de Azeitão entschieden, eine besonders leckere Spezialität der Region.

Von Vila Nova de Santo André nach Setúbal

Was für ein Tag, 100,0% Asphaltstraßen! Fast kein Wind von vorne, bis zu 31° warm bei verhaltenem Sonnenschein. Weitere Besonderheit: Ein totes, schwarzes (Wild-?) Schwein am Straßenrand, inmitten einer baumlosen Dünenlandschaft, rätselhaft, vielleicht ist es vom Laster gefallen. Der Reihe nach…
Der Tag beginnt mit selbst gepflückten, herrlich saftig-süßen Orangen. Los geht es durch lockere Korkeichenwälder mit teils gewaltigen Bäumen, später überwiegen die Pinien von ähnlich mächtigen Ausmaßen. Fast kein Verkehr auf der Straße, die kilometerlang schnur geradeaus geht. Insgesamt eine sehr sandige Gegend, aber die Straße verteidigt sich tapfer gegen Angriffe von rechts und links. Uns wird endgültig klar, dass der Google Algorithmus für Radrouting so programmiert ist, die Gläubigen, die ihm auf den Leim gehen im Sand elendig verdursten zu lassen, wo sie dann von den Hunden entsorgt werden.

Beim Mittagessen in einem unscheinbaren Gasthof, Mira Ponte, auf offener Landstraße werden wir wieder überrascht; als wir in das große leere Lokal kommen ist es fast etwas ungemütlich, so alleine – als wir gehen, ist kein Tisch mehr frei und das Personal ist total im Stress. Muss eine lokale Berühmtheit sein, dass die Leute von weit her kommen. Die restliche Strecke geht erst entlang von ausgedehnten Reisfeldern, in denen sich eine Storchenkolonie offenbar als Putzkolonne verdient macht, dann entlang eines Dünenstreifens, der zur Sackgasse wird, wir aber in Troia die Fähre nehmen, um nach Setubal überzusetzen.
Unser gebuchtes Domizil mitten in der engen Altstadt ist ein kleines, finsteres Zimmer, aber nach kurzem Gespräch mit der Vermieterin erfahren wir von einem großen Loft, ein Stock höher, was zu unserer großen Freude noch frei ist – ein fabelhafter Deal.

53 Kilometer, 290 Höhenmeter, geschenkt.

Von Vila Nova de Milfontes nach Vila Nova de Santo André

Wie eigentlich jeden Morgen beginnt die Etappe mit einem Desaster im Sand, bis wir uns zur nächsten asphaltierten Straße durchgeschlagen haben. Wer diese ‘Radroute’ EuroVelo 1 definiert hat, sollte die Route zur Strafe selber fahren müssen, aber nicht auf einem Quad sondern einem Fahrrad! Auf dem Weg nach Porto Covo versuchen wir ein weiteres Mal auf den Track zu gelangen, es endet aber wieder im Sand und mit unnötig verschlissenen Kräften. Durch merkwürdige Anwesen hindurch finden wir zur Straße zurück. Auf der bläst nur der Wind von vorne, aber sonst keine Behinderungen, man muss sogar sagen, dass die portugiesischen Fahrer mit mäßigem Tempo und sehr rücksichtsvoll unterwegs sind – und die Touristen mit ihren Wohnmobilen machen da keine Ausnahme. Nach Porto Covo hinunter führt das sorgloseste Stück des Tages, leicht abwärts mit Rückenwind. Wir rasten kurz auf der hölzernen Plattform oberhalb der Felsen und schauen den Brechern zu, die trotz ablandigem Wind gegen die Küste donnern. Das nächste Ziel ist die Industriestadt Sines, schon von weitem an den großen Hafenkränen, den Containerschiffen und Kraftwerks-Schornsteinen zu erkennen. Die Mittagspause dort, nach 40 Km, ist dringend nötig und wohlverdient. Vor dem Rest des Tages graust uns, denn die Route führt weitgehend parallel zu einer Autobahn, ohne Alternative. Aber wie so oft, kommt es anders als man denkt und die Straße entpuppt sich als völlig verkehrsfrei und bestens zu befahren und auch auf der Autobahn ist nichts los. Rechts der Straße liegen ausgedehnt Kiefernwälder, deren Stämme zur Gewinnung von Harz teilweise abgeschält werden. Dazwischen blüht Ginster und es duftet intensiv nach Honig.

Die Autobahn endet auf halbem Weg nach Vila Nova de Santo André und wir dürfen auf den Seitenstreifen der Schnellstraße wechseln. Im Ort versorgen wir uns für das Abendessen, denn unsere Unterkunft liegt abseits von allem, nur ein Kneipe versorgt uns nach der erschöpften Ankunft mit Bier. Unsere Vermieterin ermuntert uns aber später, die Orangen aus Ihrem Garten zu ernten und sie schmecken köstlich!
Diese Gegend ist berüchtigt für die kläffenden Köter, die auf jedem Grundstück gefühlt zu Dutzenden, zwar meist eingesperrt (aber kann man sich sicher sein?) die Menschheit terrorisieren. Nicht mal Meister Yoda hätte die Kräfte, diese Monster zum Schweigen zu bringen.
Die 65 Km und 550 Höhenmeter waren ein wenig heftig, denn heute war es trotz diesigem Himmel das erste Mal fast zu warm, 28°! Aber von hier müssen wir nur noch einen Tag bis Setubal radeln, einem ‘Vorort’ von Lissabon, wo wir einen Tag Pause einlegen werden, bevor es mit Zug und Fähre direkt ins Zentrum der portugiesischen Hauptstadt geht.

Von Maria Vinagre nach Vila Nova de Milfontes

Am Morgen hingen frische Brötchen in einem Beutel auf der Terrasse, toller Service! Aber ein Café oder ähnliches zum Frühstücken hätte es in Maria Vinagre auch gar nicht gegeben. Dann folgte heute ein eher unspektakulärer Tag. Viele Kilometer gute Straße, wenig Wind, allerdings immer von vorne, auch wenn das alle Windrichtungen von West über Nord nach Ost einschließt, je nachdem wo uns der Zickzack Kurs des EuroVelo gerade hinführt. Dieser überrascht uns auch wieder mit Kapriolen, einer völlig unnötigen, fast im Kreis geführten neuen Route ohne irgendeinen Mehrwert, abschnittsweise durch feinsten, tiefen Sand, Steigungen mit ca. 20% (gerne Schotter, alternativ auch mal mit Grasbausteinen) und dem Vorschlag, einem Klippen-Wanderweg zu folgen, für den man schon gute Bergschuhe bräuchte. Irgendwie mogeln wir uns durch. Auffallend war massiver Obst- und Gemüseanbau, meist unter Plastikfolien, der uns über viele Kilometer begleitete. Der Wasserverbrauch auf dem total sandigen Boden muss immens sein. Ab und zu sehen wir auch Zierpflanzenanzucht, z.B. Oleander oder Eukalyptus und immer wieder mal Störche auf den Wiesen.

Abfahrt nach Zambujeira do Mar, vorzugsweise nicht auf Grasbausteinen

Zu Mittag zwei Überraschungen: Just als wir uns in der Snack Bar ‘Casino da Praia’ in Zambujeira do Mar für ein Pause niederlassen, fängt es an zu regnen und hört wieder auf, als wir aufbrechen wollen. Und zwischendurch haben wir nicht nur ein leckeres Mittagessen bekommen, sondern auch eine sehr nette Unterhaltung mit den zwei Jungs, die den Laden schmeißen. Meine GoPro am Rad weckt ihr Interesse und sie staunen, als wir erzählen, wohin die Reise gehen soll. Mit Google ist unsere website bei Bedarf auch in Portugiesisch verfügbar 😉

Heute 63 Kilometer und 500 Höhenmeter, guter Durchschnitt. Zur Feier des 500. Kilometers gehen wir fein Essen im Restaurant Adega22, der ersten Adresse in Vila Nova de Milfontes. Wir sind die ersten Gäste der neuen Saison aber bald ist das Restaurant bis auf den letzten Platz voll – kein Wunder, es schmeckt außergewöhnlich. Portugal ist ansonsten kein kulinarischer Hotspot und dann stellt sich heraus, dass das Restaurant von einem Deutschen geführt wird.