Das Ungemach deutete sich schon seit Tagen an und auch ständiges Aktualisieren des Wetterberichts macht es nicht besser. Ab Morgen schüttete es mindestens zwei Tage durchgehend wie aus Kübeln! Schon heute wechselten sich sonnige Abschnitte mit Platzregen munter ab und die Temperatur ist im freien Fall und erreicht nur am frühen Nachmittag mal kurz 15°.
Die im letzten Moment noch eingepackte lange Unterhose erweist sich als das elementarste Kleidungsstück überhaupt, nebst den Ski-Kniestrümpfen. Übrigens ist es ein sehr mulmiges Gefühl, wenn man nur so wenig Kleidung dabei hat – geht was kaputt oder kleckert man sich voll, vergisst man gar was im Appartement? So wie wir hat bestimmt auch Ötzi auf seine Sachen aufgepasst.
Wir planen im Café die Tour etwas um und wollen morgen den Zug nach Obidos nehmen und damit ca. 200 Km ‘nicht radelnd’ vorankommen, auch um die in Sevilla verlorene Covid-Woche einzuholen. Wenn in drei Tagen das Ärgste vorüber ist, kann es hoffentlich wieder auf dem Fahrrad weiter gehen.
Dann haben wir heute noch das Azulejos Museum besucht und eine Fahrt mit der 28er Tram gemacht. Das klingt nicht tagfüllend, war es aber. Der öffentliche Verkehr in Lissabon ist für Google nicht zu deuten und auch normal begabte Menschen scheitern hier kläglich – es triumphiert das Chaos. Aber wir haben es bis Mittag ins Museum geschafft und die lange Schlange durch Erwerb eines online Tickets hinter uns gelassen. Eindrucksvolle, aus Kacheln gefertigte Gemälde vieler Epochen sind zu bewundern, die modernen Künstler haben uns besser gefallen, als die kirchlichen Motive früherer Jahrhunderte.




Dann waren wir in einem unscheinbaren, kleinen, ‘very local’, vegetarischen Restaurant, schon etwas außerhalb des Zentrums und bekamen – es war schon fast 14:00 – genau zwei Vorschläge, weil alles andere schon aus war und haben es dennoch nicht bereut.



Nächster Programmpunkt: Straßenbahnfahren. Schlau wie wir zu sein meinten, sind wir zur Endhaltestelle der 28 um dort eine Schlange von mindestens 100 Menschen vorzufinden, mit der Ansage, dass man schon eine Stunde anstehen müsse… Dann kam wieder ein kurzer Platzregen und hat die Schlange fast halbiert. Nach Vor-Ort-Analyse kam heraus, dass die Tram mit freien Restplätzen abfährt – also los zur nächsten Haltestelle, das waren nur 250m und dort sind wir problemlos eingestiegen, aber nur Stehplatz. Die Fahrt durch die steilen, engen Gassen war für das Gleichgewichtsorgan und alle Muskeln ein Härtetest, ähnlich einem Erdbeben der Stärke 7-8.

Tief-Punkt des Tages: Morgen ist Bahnstreik ;-( Wir kommen hier nicht weg.
Highlight des Tages: Unser Appartement ist das einzige im Haus, das morgen noch frei ist und wir können bleiben. Zweiter Höhepunkt: Als wir aus dem trockenen Eingang eines Schuhgeschäfts dabei zuschauen, wie eine große grüne leere Mülltonne von Sturm und Regen scheppernd durch die Straße gepeitscht wird.























































