Von Faro nach Albufeira

Frühstück gab es in einem kleinen Café an einem Platz mit Blick auf ein verspieltes altes Gebäude auf dem sich zwei Storchenpaare ein Nest gebaut hatten. Gelegentlich klapperte es nett von oben herunter, zeitweise war es aber auch zum fremdschämen.
Bevor wir Faro verlassen, schauen wir uns ein wenig in der Altstadt um und besuchen die berühmte Knochenkapelle, eine etwas makabere Angelegenheit.

Durch die Glasscherbenviertel von Faro ging es hinaus Richtung Flughafen, den wir auf fast voller Länge entlang des Zauns umfahren mussten, um dann die Fahrt entlang der Einflugschneise fortzusetzen (geil für Flugzeugfans). Landschaftlich war es aber sehr schön, zwischen blühenden Akazienbüschen und stattlichen Pinien hindurch

Nun führt der Weg gefühlt 10 Km entlang gigantischer Golfplätze und hochpreisigen Resorts, wie überhaupt die Algarve bisher das Preisniveau von München locker erreicht, manchmal auch das von Sylt. Die Wasserknappheit kann also so arg nicht sein oder die Golfplatzbetreiber haben uns verborgen gebliebene Quellen?
Auch heute wechselt der Untergrund des EuroVelo 1 häufig zwischen perfekt und elendig, das kostet auch ganz schön Kraft, Sand, Schlaglöcher und Matsch, aber dafür ein wenig Rückenwind.
Nach dem leckeren, aber gar nicht üppigen Mittagessen in einem noblen Strandrestaurant kommen wir wieder mal durch touristisch maximal verbautes Siedlungsgebiet, zwar mit schöner Strandpromenade, aber dahinter magst nicht umsonst begraben sein. Aber wir finden ein Café am Strand mit live DJane und lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen. Es sind nur noch 15 Km bis Albufeira, die allerdings eine ziemliche Mühsal werden, da es hier keine ebene Straßenstücke mehr gibt, nur noch rauf, runter, rauf, runter. Die Steilküste soll hier sehr schön sein, aber es ist eine Herausforderung zwischen all den Hotelanlagen und Robinson Clubs einen öffentlichen Zugang zu finden. Die Mühe hat sich aber gelohnt!

In Albufeira lassen wir uns dummerweise von Google zu unserer Unterkunft lotsen – immer direttissima, durch die Fußgängerzone und so steil, dass wir endgültig schieben müssen. Unser riesiges Apartment belohnt uns dafür mit einem weiten Blick auf’s Meer. Heute 52 Km statt der von Google versprochenen 41, selber schuld wer da drauf rein fällt.

Von Ayamonte nach Faro

Der Tag beginnt mit einem Frühstück an einem entzückenden kleinen Platz in Ayamonte

Die Überfahrt nach Villa San Real (Portugal) mit einer kleinen Fähre über den Fluss Guadiana ist zwar leider schnell vorbei, allerdings gewinnen wir dabei einen ganze Stunde, die wir aber heute sehr brauchen werden.

Der Radweg EuroVelo 1 ist jetzt in Portugal überwiegend sehr gut mit Schildern markiert. Am Anfang verläuft die Route weitgehend durch Siedlungen mit vielen kleinen Häuschen, in der Masse eher abschreckend, nebst Campingplätzen und Hotelburgen. Die Sonne hat sich hinter dichtem Nebel versteckt. Aber es wird besser, sobald wir durch Wälder und wirklich blühende (und duftende) Landschaften kommen. Meist fahren wir auf Sandwegen und Nebenstraßen, die zwar schon bessere Zeiten gesehen haben, dafür fährt aber auch sonst niemand, der das Gezwitscher der Vögel stört. Nach 30 Km erreichen wir das Städtchen Tavira mit einer lebendigen Altstadt, in der viele Häuser hübsch gekachelte Fassaden haben, einer römischen Brücke und feinen Lokalitäten. Auffallend, dass der Ort ein indischer Hotspot zu sein scheint (Goa war 450 Jahre portugiesische Kolonie, wer weiß, wie das zusammenhängt…)

Der weitere, meist gut gepflegte und sehr schöne Weg verläuft durch die Salinen bzw. Salzwiesen, sehr entspannt. Wir machen nochmal Pause an einem perfekten Sandstrand, stärken uns mit portugiesischem Naschwerk um die letzten 10-15 Km bis nach Faro zu schaffen.

An manchen Stellen des Wegs gibt es aber kapitale Aussetzer, z.B. als der neu gebaute (und daher im GPS Track noch nicht verzeichnete) Weg unvermittelt im Schlamm endet oder gar so verbarrikadiert ist, dass man umkehren muss und sich plötzlich auf einer 4-spurigen Schnellstraße mit Mittelteiler wiederfindet. Es bleibt nichts anderes übrig, als auf dem Randstreifen ein paar Km als Geisterradler sein Leben zu riskieren, um dem Etappenziel Faro näher zu kommen. Aber es regt sich niemand auf, passiert ja jedem, der den EuroVelo 1 (‘Developed Route’) längs kommt. Die Fahrt durch die Außenbezirke von Faro ist kein Vergnügen, im portugiesischen Alltagsverkehr ist der Radfahrende nicht wirklich vorgesehen.

Unsere Unterkunft in einem Altbau vergangener Jahrhunderte ist originell, nur die Unterbringung der Fahrräder schwierig und erst nach Beratschlagung mit der Crew des Restaurants im gleichen Haus einigermaßen gesichert. Mit 71 Km Strecke, 360 Höhenmetern, 5 Stunden im Sattel und fast einem Sonnenbrand war der Tag beinahe ein wenig anstrengend.