3 Ländertour von Österreich durch die Schweiz nach Friedrichshafen, nah am und im Wasser

In Feldkirch hatten wir übernachtet, weil die Suche nach einem bezahlbaren Hotel an der eigentlichen Route (auf der Schweizer Seite) nur zu diversen Motels an der Autobahn geführt hätte, da glaubten wir uns aus dem Würgegriff des Schweizer Franken zu befreien, aber so viel billiger war es dann auch nicht, aber Feldkirch ist auf jeden Fall attraktiver als jedes Motel im Nirgendwo. In der Früh war der Markt schon aufgebaut und wir haben uns für den Tag versorgt und einen sehr guten Kaffee am Marktplatz bekommen. Der Weg zurück auf die Route verlief auf einem Damm entlang der Ill, die auch schon ganz schön voll und schnell unterwegs war. Die Gewitter der letzten Tage haben in der Schweiz besonders Rhône und Rhein betroffen und wir sind gespannt, wie die Lage tatsächlich ist. Bei Meiningen queren wir den Rhein, der hier schon mal ganz randvoll ist. Bis kurz vor St. Margarethen geht es aber flott auf dem Damm entlang, ein wenig Rückenwind und wir überholen nicht nur einen E-Biker. Am Ufer liegen teils große Schwemmholzhaufen vom letzten Hochwasser, was erst ein paar Wochen her ist und ja auch den Bodensee zum Überlaufen gebracht hat. Hier bedienen sich schon einige mit der Kettensäge an dem herrenlosen Holz. Die Wiesen hinter dem ersten Damm sind nun schon ziemlich unter Wasser und dann versinkt auch der Radweg im Rhein und wir müssen auf die Straße ausweichen, zum Glück gibt es kurz vor der Überschwemmung einen Tunnel unter der Autobahn hindurch und wir kommen auf die Landstraße, auf der wir bald in St. Margarethen sind. Dann lasse ich ausnahmsweise Google einen direkten Weg nach Romanshorn suchen und wir fahren über Rheineck und Thal in Richtung Bodensee. Dummerweise liegt Thal eher auf einem Hügel. Oben angekommen haben wir dafür aber einen perfekten Rundblick auf den Bodensee und auch ein paar Steinblöcke für die verdiente Brotzeitpause, nach 40 Km. Der nächste Ort, jetzt wieder auf der geplanten Route am See ist Rohrschach, wo wir ein Café direkt am See finden. Der Wasserspiegel ist wirklich ‘Oberkante Unterlippe’ und an manchen Stellen schwappt das Wasser auf den Radweg. Bemerkenswert ist die Eisenbahnlinie, die zwischen den Häusern und dem Ufer verläuft (wie sonst die Uferstraße), das bedingt reichlich viele Bahnübergänge für die Fußgänger. Die Kaffeepause timen wir so, dass wir die Fähre von Romanshorn nach Friedrichshafen um halb 3 bekommen werden. Die Rechnung war aber ohne Blick auf das Wetterradar gemacht und auf dem Weg entlang des Sees türmen sich rabenschwarze Wolkenberge auf. Obwohl es jederzeit loskübeln könnte, werden wir verschont und kommen trocken auf die Fähre und können die Überfahrt sogar draußen sitzend genießen. Erst in Friedrichshafen setzt der Regen ein. Nun sind wir also wieder in Deutschland, komisches Gefühl nach fast 4 Monaten. In einem Handyladen bekomme ich günstig mein, im Laufe der Reise, total verkratztes Gorillaglas gewechselt, das erleichtert die Navigation, die jetzt nur noch bis zu unserem Wellness-Hotel ‘Knoblauch’ am Stadtrand von Friedrichshafen führt. Es gießt in Strömen und wir sitzen in der Sauna, schon wieder ein perfekter Tag.

62 Km, 230 Hm, Umwege wegen Rheinhochwasser, schönes Wetter bis zur Überfahrt mit der Fähre

Von Jenins durch Liechtenstein nach Feldkirch

Wir starten bei fragwürdiger Wetterlage in den Tag durch schöne Weinberge oberhalb des Rheintals, in den Bergen hängen fette Wolken und nach noch nicht mal 5 Kilometern trifft uns ein Gewitter, aber wir finden ganz guten Schutz vor einer Scheune und nach einer halben Stunde mit tollen Blitzen und ordentlich Regen scheint wieder zaghaft die Sonne.

Dann geht es hinunter an den Rhein, an dem wir auf dem Damm entlang fahren, an senkrechten Felswänden vorbei. Mal ist der Fluss schneller, mal wir. Eine graue Brühe mit gewaltigen Wellen an einer Stufe im Fluss. Als der Radweg sich zu sehr der Autobahn nähert, wechseln wir bei Balzers auf die andere Seite und folgen dem Liechtensteiner Rheintal-Radweg. In der Nähe von Vaduz kommen wir an einer alten, restaurierten hölzernen Rheinbrücke vorbei und finden einen Hirschkäfer, der sich hier mal untergestellt hat, bis der Regen aufhört. In Schaan machen wir in einem Café eine lange Mittagspause, während es draußen ausgiebig regnet. Später hört der Regen auf und weiter geht es durch die Wiesen, vorbei an ein paar Störchen in Richtung Feldkirch. Auf einem kleinen Brückchen rastet einen Schwanenfamilie, unsicher, ob sie ohne Visum in die EU dürfen, wir halten kurz an, aber auch im Gebüsch lauert kein Grenzer.

Die wenigen Kilometer bis Feldkirch sind von stetem Wechsel zwischen Regen und Sonnenschein geprägt, so dass mehr Zeit mit An- und Ausziehen als mit Radfahren vergeht. Das Hotel in Feldkirch hat einen online Check-In, der mit Hilfestellung des Hoteliers auch funktioniert – ziemlich unsinnige Technik.

40 Km, 170 Hm, Regensachen an, aus, an, aus, an, aus

Vom Bergbauern in Valendas durch die Rheinschlucht zum Weinbauer in Jenins

Schade um das großartige Frühstück von Nina, aber die Pizza von gestern liegt mir noch immer quer im Magen und ich esse nur ein paar Löffel von dem frisch zubereiteten Müsli. Die Nacht war auch nix, obwohl zumindest die Kühe aufgehört haben zu bimmeln, anders als die Kirche. Erst um 10 fahren wir los, und es sieht nach Regen aus. Nina empfiehlt uns noch einen Aussichtspunkt auf die Rheinschlucht, aber erstmal müssen wir 150 M hinauf nach Versam, dort zweigt eine Stichstraße zum Bahnhof ab, der 300 M weiter unten am Fluss liegt, wir müssen nur gut einen Kilometer und 70M hinunter bis zu der hölzernen Aussichtsplattform Islabord, die über den Abgrund ragt und eine grandiose Sicht hinunter auf den Rhein und hinüber auf die fast senkrechten, hellgrauen Felswände bietet. Zurück in Versam geht es nun in einigen Serpentinen hinab und über einen Bergbach, der ähnlich tief unten liegt wie der Rhein in den er kurz danach mündet. Wieder geht es hinauf auf einer fast einspurigen Straße, die wahlweise durch Tunnel oder in engen, unübersichtlichen Kurven an die senkrechten Felswände geklebt ist. Immer wieder gibt es prächtige Blicke in die Schlucht, nur muss man auf den Gegenverkehr achten – plötzlich taucht in einer Kurve ein Sattelschlepper auf, keine Ahnung wie der das hier her geschafft hat, aber er bleibt freundlicherweise stehen, ohne uns an der Wand zu zerquetschen und wir schlüpfen durch den verbliebenen Meter.

Nach der letzten Kurve geht es dann ganz entspannt auf breiter Straße schnurgeradeaus abwärts nach Bonaduz und wir sind wieder am Fluss, der hier mit dem Hinterrhein zusammenfließt und jetzt schon gewaltig viel Wasser und Tempo hat. Bis Chur kommt nur noch ein fieser Anstieg und nach 35 Km machen wir in der Altstadt Pause und schaffen es dabei, ein kräftiges Regengebiet unter dem Schirm eines Cafés bei einem Stück Rhabarberkuchen (zur Feier des 4000. Kilometers) auszusitzen. Der weitere Weg geht durch das hier schon sehr breite Rheintal, mit Industriegebieten aber auch weiten Weinbergen und immer noch hohen Bergen im Hintergrund. Hier unten im Tal ist es jetzt richtig feucht heiß, wir sind klatschnass und müssen trotzdem noch mal 100 Hm hinauf nach Jenins in dem wir bzw. ausnahmsweise mal ich ziemlich erschöpft ankommen. Der Balkon ist eine Wucht, mit Blick ins Rheintal über Landquart, fast bis nach Chur, wäre da nicht ein Berg in der Sichtlinie. Das Zimmer ist mal wieder eine Erwähnung wert, denn es wird über das Bad betreten, also bevor man die Tür öffnet, sollte man sich vergewissern, dass niemand auf dem Klo ist….

54 Km, 610 Hm, feucht heiß

Von Disentis nach Valendas

Gleich in Disentis geht es steil bergab zur ersten Rhein-Querung und auf der anderen Seite wieder ebenso hoch hinauf. Der Rhein ist hier noch ein großer, relativ klarer Gebirgsbach aber keine 10 Kilometer weiter flussabwärts schon ein brauner reißender Fluss, da kommt viel Schmelzwasser aus den Seitentälern hinzu. Im Prinzip geht es nur abwärts, zumindest auf der Bundesstraße, wir fahren aber auf Feldwegen und Nebenstraßen mit einigem auf und ab und oft auf Schotterwegen, da ist Konzentration auf grobe Steine, Schlaglöcher und Regenrinnen verlangt, viel Gelegenheit zum Schauen bleibt da nicht. Nach einer steilen Rampe bleiben wir kurz stehen, denn hier gibt es viele Maikäfer und ein Schweizer Paar mit E-Mountainbikes, die sich für uns arme Bio-Biker interessieren. Auf die Frage, wie oft wir schon die Pneus wechseln mussten, entgegne ich, dass wir unterwegs noch keinen ernsthaften Defekt gehabt hätten. Ich möge es nicht verschreien höre ich noch und fahre schonmal los und keine 200 Meter danach ist mein Vorderreifen platt. Absolut geisterhaft – schließlich stellt sich raus, ein snake bite, d.h. zu schnell über zu groben Schotter gebrettert und / oder zu wenig Luft im Schlauch. Der ist schnell gewechselt, jetzt gibt es aber keinen Ersatzschlauch mehr, zur Beruhigung der Gattin im nahen Ilanz aber ein Fahrradgeschäft. Dort kehren wir in einer besseren Döner-Bude zu Mittag ein und sind danach so vollgefressen, dass wir die restlichen 7 Kilometer hinauf nach Valendas, bei schattenlosen 30° nur dank des kräftigen Rückenwinds ohne Kollaps überstehen. In Valendas ist die Attraktion und zugleich Rettung vor dem Hitzschlag der größte Holzbrunnen der Schweiz, dann sind es nur noch 100 Meter zu unserer Unterkunft. Dort erwartet uns Nina in ihrem wunderschönen, typisch Schweizer Chalet. Wir haben ein Zimmer mit phantastischem Weitblick in die Berge, mit Fenstern auf drei Seiten und einem großen Garten, mit schattigen Plätzen unter den Obstbäumen. Besser kann man es nicht treffen.

39 Km, 423 Hm, Etäppelchen, meist bergab mit Rückenwind, zu schnell gefahren…

Über den Oberalp Pass ins Rheintal nach Disentis

Bestes Bergwetter heute, kurz vor 10 fahren wir los, die ersten Serpentinen liegen noch im Ort. Es geht schön gleichmäßig hinauf und der Verkehr ist moderat, besonders Motorräder sind nicht so zahlreich wie befürchtet. Mit jeder Kehre wird die Aussicht besser, bald sind wir schon hoch über Andermatt, man erkennt das ganze Ausmaß der ‘ägyptischen Riesenbaustelle’. Sehr viel hübscher dagegen ein paar Kühe, wie hinbestellt vor prächtiger Alpenkulisse. Nach den Serpentinen kommt ein Hochtal durch das die Straße geradeaus, neben der Bahnstrecke in Richtung Oberalp-Stausee führt. Am Stausee, etwa 2000 M Seehöhe, liegen noch einige fette Schneefelder, mit dem Fernglas Richtung Furka geschaut ist es nicht verwunderlich, dass der Pass noch geschlossen ist, da oben ist noch alles komplett unter Schnee. Am See geht es durch eine Lawinengalerie an deren Ende die Passhöhe mit Skiliften und Bergrestaurant liegt. Auch hier noch mächtige Schneehaufen, aber bei 20° machen sie’s nicht mehr lange. Wir aber machen lange Pause bei Bündner Gersten-Süppchen und einem exquisiten Fenchelsalat. Nun haben wir also den geographischen Höhepunkt unserer Tour erreicht, nach fast 4000 Km und über 30.000 Höhenmetern geht’s nun abwärts Richtung Rheintal. Dessen Quelle liegt zwar nicht weit entfernt aber der Weg dahin ist noch unter viel Schnee begraben. Die Abfahrt vom Oberalp Pass ist schon ein besonderes Highlight, mit vielen Serpentinen und wenig Verkehr. Die Straße verläuft streckenweise richtig ausgesetzt, ohne jegliche Leitplanken, da wäre jeder Fehler todsicher tödlich. Weiter unten im Tal, mit weniger engen Kurven und etwas Rückenwind kann man es richtig laufen lassen, mit 65 Km/h überhole ich einen Mountainbiker, der Arme, mit seinen Stollenreifen hat er keine Chance mitzuhalten. Bis Disentis haben wir 800 Hm verloren, da bleiben nur nochmal 800 bis zum Bodensee für die nächsten 4 Tage.

Disentis wird dominiert von einem monumentalen Benediktiner Kloster, hoch über dem Dorf errichtet, mit üppiger Barockkirche, für die Größe des Ortes erstaunlich. Im Kloster finden sich Ausgrabungen von den ersten Strukturen, die ins Jahr 700 zurückreichen. Zum Koster gehört auch ein Gymnasium mit Internat. Auf einem kleinen Friedhof, auf einem Absatz vor der Kirche, liegen die Äbte des Klosters begraben. Leider haben sie nichts mehr von dem weiten Blick zum Lukmanier Pass von hier oben.

32 Km, 713 Hm, fast schon gemütlich auf den Oberalp Pass, Adrenalin-geladen hinunter

Furka Wintersperre extra für Susi um eine Woche verlängert

Noch nie in den letzten 20 Jahren wurde die Wintersperre so lange aufrecht erhalten. Erst hieß es, am 15.6. wird der Pass geöffnet, dann plötzlich wurde die Öffnung auf den 21.6. geschoben, ein Schelm, wer böses dabei denkt. Das kann doch kein Zufall sein, denn wir bzw. ich wollte am 17.6. über den Pass fahren.

Jetzt müssen wir den Zug nehmen, für 20 Minuten Fahrt 45€ bezahlen und zu sehen gibt es außer Tunnelwänden von Oberwald bis Realp genau nichts. Dafür waren die 25 Kilometer von Ernen nach Oberwald (meistens, aber nicht immer auf Asphalt) sehr schön zu fahren, durch üppige Wiesen, voller bunter Blumen, gerade noch nicht gemäht.
Die Rhône ist schön türkis gefärbt, das milchige Gletscherwasser überwiegt hier oben noch. Jetzt noch ein letzter Blick, denn näher kommen wir der Quelle am Gletscher nicht mehr, aber mindestens 800 von 814 Km sind wir an ihr entlang geradelt. In Oberwald wären wir gerne eingekehrt, aber der Ort ist wie ausgestorben, obwohl der Grimsel Pass ja schon geöffnet ist, vereinzelt ein paar Motorräder, die übrigen Fahrzeuge: Nur Porsche, Ferrari, etc. (darunter macht’s der Schweizer Rentner nicht).

In Realp halten wir den Zug an (das geht nur auf Knopfdruck) und wuchten die Fahrräder wieder aus dem Zug, moderne Bahnsteige werden gerade erst gebaut. Die 10 Kilometer hinab nach Andermatt rollen sich gänzlich von selbst, wegen des gesperrten Furka fährt hier auch fast niemand, genial. Fast wie eine Modelleisenbahn kommt der Glacier-Express hinauf gefahren, inmitten mächtiger Bergmassive.

Andermatt liegt in einem Kessel mit nur einem schmalen Durchbruch für den Fluss Reuss. Der Talboden wird von einer immensen Baustelle geprägt, hier wird seit 2009 von einem Ägyptischen Investor ein Mega 5 Sterne Tourismus-Komplex gebaut – es scheint einfach zu viele reiche Leute auf der Welt zu geben, die ihr Geld irgendwie loswerden müssen, dafür ist die Schweiz wirklich bestens geeignet. Wir haben nur ein bescheidenes Zimmer in einem älteren Hotel, mit Blick direkt auf den Beginn der Oberalp-Passstraße, da kann man sich mental prima auf die morgige Etappe einstimmen.

37 Km, 470 Hm, Etäppchen, wunderschöner Radweg durch die Bergblumenwiesen

Transalp-Feeling auf den letzten Kilometern des Rhône Radwegs

Bei strahlendem Sonnenschein und fast schon heißen Temperaturen in Brig gestartet, steht heute eine echte Bergetappe auf dem Plan, kurz aber knackig. Aus Brig heraus geht es noch ein paar Kilometer flach am Rhônedamm entlang, dann folgt ein Stück auf der Furkastraße mit viel Verkehr und mäßigem Anstieg – da schrumpfen die Kilometer zum Ziel, ohne dass Höhenmeter dazu kommen, ergo wird der Rest immer steiler werden – blöd. In Filet (Ortsnamen haben die Schweizer…) geht es endlich rechts auf eine Nebenstraße, die sich in einigen Serpentinen nach oben windet, ganz ohne Verkehr mit fetten Blumenwiesen, ein paar Kühen, alten Holzhäusern und Heustadeln am Weg. Zum Glück bleibt der Track länger als erwartet auf kleinen asphaltierten Straßen, meistens rauf, mal etwas runter, bei toller Aussicht auf die gegenüberliegenden Berge, z.B. das Bettmerhorn.

Dann kommt der Moment, wo die Straße endet und die Wanderwege beginnen, zunächst ganz passabel zu fahren, aber dann die erste Rampe mit den unten angekündigten 19%, immerhin kein loser Schotter, sondern schön betonierte Natursteine. Der Weg wird noch etwas schmäler und wald-feucht, es geht hinauf auf über 1200 Meter bis zu einer kleinen Kapelle, deren Vorplatz mit Bank zu einer Pause einlädt. Gleich unterhalb bimmeln zwei Kühe recht harmonisch abgestimmt, fast wie ein Gamelan-Orchester. Ein Schild klärt uns auf, dass wir uns auf einem Jakobsweg befinden, nur 2225 Km bis Santiago, soso.

Auf schmalem Waldweg müssen wir die mühsam erstrampelten Höhenmeter den Bremsscheiben zum Fraß vorwerfen, bis wir an eine alte ‘Römerbrücke’ kommen, die über einen ziemlich wilden Bach führt. Danach sammeln wir alle verlorenen Höhenmeter wieder ein, steil hinauf schiebend, bis endlich der Pfad an einer Straße endet, der höchste Punkt des Tages auf gut 1300 M.

Ab hier ginge es abwärts nach Ernen, unserem Tagesziel, aber da wir noch viel Zeit haben und es in die andere Richtung ganz spannend aussieht, wollen wir uns das näher anschauen. Die Straße verschwindet ums Eck in einem langen Tunnel, aber an der Hangkante verläuft der alte Weg durch die Twingischlucht sehr spektakulär aber praktisch eben in den Landschaftspark Binntal. Wir fahren erst um die erste Kurve, dann um die zweite und schließlich einige Kilometer bis ganz hinter zu einem kleinen Stausee. Unterwegs kommen wir an einigen Kunstinstallationen vorbei, auf dem Rückweg geraten wir sogar noch in die Vernissage dazu. Die Schlucht glänzt im Wortsinne mit einigen spiegelnd glatten, fast senkrechten Felsen, über die sich Bäche ergießen, in den Rinnen dazwischen liegt noch eine Menge dreckiger Lawinenschnee.

Zurück auf der Straße rollen wir konstant sanft hinab bis Ernen, direkt in unser Hotel, mit dem etwas phantasielosen Namen ‘Alpenblick’, aber von unserem Balkon sehen wir sogar das Finsteraarhorn, den höchsten Berg der Berner Alpen mit über 4200 M und die schönen alten Holzhäuser des Dorfes.

Weil es noch früh am Nachmittag ist, besuchen wir noch die nächste berühmte Hängebrücke in Mühlebach, noch länger, höher und deutlich nachgiebiger als die Milibachbrücke vorgestern. Spannend fand’s auch die Magengrube.

Zurück im Hotel habe ich die völlig abgefahrenen hinteren Bremsbeläge gewechselt, nach fast 30.000 Höhenmetern nicht gänzlich überraschend.

38 Km, 900 Hm, schieben auf steilen Wanderwegen, hat sich aber sehr gelohnt

Der Folterknecht in der Briger Therme

Schon die Römer schätzten das heiße Wasser der Quelle in Brigerbad. Heute ist es das größte Freiluft Thermalbad der Alpen. Gedacht war ein Tag der Entspannung für die Muskeln und Gelenke. Gemütlich sind wir mit dem Bus von Brig gekommen. An der Kasse bekommt man gar nicht günstig eine Tageskarte, aber sehr günstig ein großes Einmalhandtuch mit sehr geringem Kuschelfaktor. Auch die Sauna ist kein besonders heimeliger Ort, aber nach der ersten Stunde haben wir die Örtlichkeit gründlich erkundet und schon zwei Saunagänge hinter uns, als wir die Tabelle der Aufgusszeiten entdecken. Den macht der Schweizer Saunameister mit Ruhe, Musik aus der Soundbox und sehr viel Zeit. Die nächste Runde am Nachmittag übernimmt sein Kollege Milan, der den Aufguss ein wenig anders interpretiert, zwar auch mit Musik, aber nach der 3. Ladung Eiswürfel und noch 4 Kellen Wasser führt er mit seinem Wedel einen wilden Tanz auf, der die schnellere Hälfte der Badegäste sofort aus der Sauna treibt, die langsameren werden im heißem Dampf blanchiert und verlassen taumelnd mit Schnappatmung den Dampfgarer. Das erinnert uns sehr an den wahnsinnigen Filzhutseppl in der Söldener Sauna, der diese Folter allerdings zusätzlich mit einer ordentlichen Menge Willy angereichert hatte. Wir probieren dann noch die Thermalgrotten und das Freibad aus (herrlicher Blick in die Berge, nachdem es aufgehört hat zu regnen) bevor es, schon um 4 Uhr, einen Salat und einen Haps Nudeln gibt. Danach kommt der 5 Saunagang um 5, der aber glimpflich abläuft. Das lithiumhaltige Natrium-Calcium-Sulfatwasser wäre sicher bestens geeignet, die Batterien eines E-Bikes aufzuladen, ob es uns für morgen auflädt oder eher völlig ausknockt, wird sich zeigen.

Zurück in Brig stellen wir fest, dass das Städtchen am Fuße des Simplon Passes eine hübsche Fußgängerzone mit stattlichen alten Häusern hat. Besonders sticht das Stockalperschloss heraus, in dessen Umgriff auch das Koster liegt, wo wir unser Zimmer haben. Aus den vielen leeren Restaurants suchen wir uns eine ‘günstige’ Pizzeria heraus, Italien ist ja nur eine Passhöhe entfernt, da kann nicht viel schief gehen.

0 Km, 0 Hm, völlig erschöpft

Von Sion nach Brig, mit Seilbahnabenteuer

Das reichhaltige Frühstücksbüffet des Hotel Rhône dezimieren wir so gut es geht, denn es ist wirklich lecker, besonders die Grapefruit-Scheibchen, das Früchtebrot und die zahlreichen Käsesorten. Leider regnet es leicht vor sich hin als wir aufbrechen und wieder auf dem Rhônedamm entlang fahren, heute mal ausnahmsweise ganz ohne Wind. So geht das bis Sierre, welches die Grenze zwischen dem Ober- und dem Unterwallis markiert. Damit einher geht der Wechsel von Französisch zu Deutsch, was manches einfacher macht, aber man muss auch wieder aufpassen, was man so über die am Nachbartisch lästert. Zwischendurch wird das Tal eng, was zur Folge hat, dass die Autobahn zur Landstraße wird und auch wir da fahren müssen, zwar mit Randstreifen, aber mit übermäßig viel LKW Verkehr und hinauf geht es auch noch. Hinter Leuk geht es dann wieder gemütlich auf dem Damm entlang, allerdings haben wir übersehen, rechtzeitig eine Brotzeit zu kaufen, deshalb gibt es in einer Regenpause nur den kläglich Rest vom Vortag. Im nächsten ‘Supermarkt’ im Dorf Raron kauft Susi ein. Während ich warte, fallen mir in unmittelbarer Nähe zwei Seilbahnstationen auf, deren Zweck mir Google schnell erklärt: Zwei Bergdörfer sind mit diesen Bahnen erschlossen und oben gibt es zwischen Unterbäch und Eischoll eine ziemlich spektakuläre Hängebrücke. Wir beschließen, die Seilbahn genauer zu inspizieren, aber da ist niemand. Die Seilbahn wird von der Bergstation bedient, aber ich kann über ein kleines Kästchen Kontakt mit der Bergstation aufnehmen und so erfahren, dass wir die Fahrräder sehr günstig mit hinauf nehmen können. 5 Minuten vor der Bergfahrt öffnet sich die Tür und wir steigen in die Gondel, die uns in kurzer Zeit auf 1200 Meter hinauf befördert, so richtig in die Berge, mit Aussicht, etwas getrübt von den Regenwolken. Zur Hängebrücke sind es dann nur 800 Meter zu fahren, allerdings unvorhergesehen steil bergab. An der Hängebrücke machen wir Brotzeit und diskutieren die Optionen, wie wir wieder ins Tal kommen. Die Entscheidung fällt für die Variante mit zusätzlichen 200 Hm Anstieg, aber dann direkter Abfahrt nach Visp, wo wir sowieso durch müssen, auf dem Weg nach Brig. Die nur 2 Jahre alte, 65 m hohe Brücke ist nichts für schwache Nerven, aber die Schweizer sind ja ein robustes Bergvolk und haben keine Höhenangst. Die Straße führt durch das Dorf Bürchen (Bärchen wäre doch viel netter) und bald danach 700 Hm rasant hinab (bei 64 Km/h war die ‘Tachonadel’) in vielen Serpentinen nach Visp, das sich von oben und unten als grauenvoller Industrie- und Verkehrsknotenpunkt erweist. In der Fußgängerzone gibt es aber einen sehr gut gelungenen Cappuccino. Dann regnet es wieder und wir müssen noch 10 Kilometer weiter nach Brig. Unterwegs inspizieren wir das Briger Thermalbad, welches wir morgen, an dem längst mal wieder fälligen Pausetag besuchen wollen. In Brig schnell noch Bier für den Abend eingeladen und dann zu unserem gebuchten Gästehaus St. Ursula, einem ehemaligen Kloster, an der alten Simplonstraße gelegen. Natürlich ist das die vermutlich in Brig am höchsten gelegene Möglichkeit zu übernachten….

70 Km, 580 Hm, dämlich unentschlossenes Wetter

Von Vauvry nach Sion, rein in die Walliser Alpen

Blauer Himmel bei angenehmen 20°, aber das ist noch nicht alles, beim Blick auf die steilen Hänge sieht man, wie die Bäume sich im Wind biegen, taleinwärts, wie schön, da wollen wir auch hin. Das Panorama ist schon sensationell, mit schroffen Spitzen auf denen überall noch der Schnee liegt, mit einigen weißen Wolken um die Gipfel und den satt grünen Wiesen, mit vielen Blumen, unten im Tal. Der Radweg verläuft fast immer auf dem Rhônedamm entlang, manchmal auch auf der Straße und dann wird es gleich wieder unklar, weil Schilder fehlen und der Track nicht stimmt, aber heute war das nur kurz ein Problem. So haben wir relativ rasch die 35 Kilometer nach Martigny absolviert. Dort im Coop kaufe ich für die Brotzeit ein, nicht besonders üppig, denn auch die Preise im Supermarkt haben sich gegenüber Frankreich glatt verdoppelt. In Martigny finden wir eine Bank im Halbschatten auf dem zentralen Platz und das Baguette schmeckt mit Mortadella besonders gut.

Nach dem Kaffee geht es weiter in Richtung Sion, immer entlang der Rhône, die in Martigny einen 90° Knick macht und nun nach Osten verläuft. Wie durch ein Wunder macht der Wind aber die Kurve mit und bläst uns weiter kräftig in den Rücken. Hier wird das Tal wieder etwas breiter und eignet sich wohl besonders für den Obst- und Weinanbau. Hauptsächlich Birnen, aber auch Apfel und ganz wenige Kirschbäume. Das Bergpanorama der Zentralalpen ist hier nochmal besser. Kurz vor Sion findet sich ein perfekter Badesee für eine schöne Pause. Die Badesachen kommen jetzt schon das 2. Mal in 4 Monaten zum Einsatz! In Sion haben wir ein Hotelzimmer im 4. Stock mit Blick direkt auf die berühmte Burg, toll, die armen Fahrräder müssen aber in das 3. Untergeschoß. Im Bad machen wir unter dem Waschbecken eine grauenvolle Entdeckung: Eine Waage ;-(

68 Km, 320 Hm, sagenhafter Rückenwind