Wenn die Angaben der Höhenmeter aus dem bikeline track wieder so falsch sind wie gestern und vorgestern wird das heute ein Horrortrip mit fast 1500 Höhenmetern. Entsprechend nervös zeigt sich die Gattin, als die Position des Frühstückscafés beim Abgleich zwischen Google Maps und der Realität für 27,6 Sekunden unklar war. Schon um 9 Uhr, so früh wie noch nie, waren wir im Sattel und gleich darauf auf der Brücke über den Stausee bei Portomarin, über dem noch der Morgennebel lag. Der erste Anstieg mit 250 Hm lief aber ganz entspannt, denn auf der, mit exakt 6% Steigung angelegten, wunderschönen Straße fuhr um diese Uhrzeit noch niemand außer uns. Das Panorama oben großartig und es war schon 18 Grad warm.



Die Zahl der Pilger nimmt rapide ab, denn Santiago liegt jetzt schon mehr als 100 Kilometer zurück (100 Kilometer ist die Mindestdistanz damit man das offizielle Pilger-Zertifikat erhält). Die noch übrig gebliebenen sind die ganz harten, die ihren Rucksack selber tragen. Auch ein paar Fahrradpilger kommen uns entgegen. Ab und zu ergibt sich ein kleines Gespräch woher – wohin; ihr fahrt doch falsch rum, da geht’s nach Santiago!
Das 2. Frühstück war in Sarria geplant und konnte exakt um 11 Uhr eingenommen werden, da war praktisch die Hälfte der Strecke und 450 Hm schon geschafft. Die Stadt Sarria bedarf keiner weiteren Beschreibung, außer vielleicht der, dass man diese Kleinstädte oft schneller verlassen möchte, als die Muskeln hergeben. Der nächste Stop war in Samos, einem herzallerliebsten Dorf, mit einem sehr großen Kloster, in dem saftig grünen Tal des Rio Sarria gelegen, das wir weiter flussaufwärts fahren, bis wir, schon um 14 Uhr, an unserem Ziel, Triacastela ankommen.





Triacastela ist ein kleines, nettes Dorf, in dem alle bewohnbaren, renovierten Naturstein- Häuser der Unterbringung oder Verköstigung der Pilger dienen und alle anderen Immobilien eher unter die Kategorie ‘Ruine’ fallen. Das Pilger-Restaurant unserer Wahl serviert ein sehr günstiges 3-Gänge Menü mit leckeren, lokalen Spezialitäten, z.B. Rinderzunge, den Wein gibt’s gratis dazu.
Wir staunen, auf was für exotische Pilger wir stoßen, heute ein älterer Franzose mit Fahrrad + Ausrüstung, so alt wie er selber; eine blinde Spanierin, geführt von einem jungen Asiaten; gestern eine deutsche Familie mit Kleinkindern im Mittelalter-Outfit mit Holzhandwagen und einer, der seinen Dackel im Körbchen auf dem Fahrrad nach Santiago fährt…
Heute 46 Km, 880 Hm, nur 130 mehr als angegeben, ganz unerwartet stressfrei. Aber morgen kommt die erste Bergwertung der 2. Kategorie mit einer Passhöhe von 1300 Metern.
































