Geschmacksexplosionen in den Pintxo Bars von Logroño

Nachmittags um 6, als wir über die Brücken des Ebro und durch die Straßen der Altstadt bummeln, ist alles ausgestorben, nur eine Eisdiele und paar Cafés haben geöffnet, auf dem zentralen Platz vor der Kathedrale hüpfen ein paar Kinder auf einem Trampolin herum – sonst ist tote Hose.

Am Abend um halb neun sind dieselben Straßen kaum wieder zu erkennen. In den engen Gassen, speziell der Calle de Laurel ist fast kein Durchkommen mehr. Eine winzige Pintxo Bar reiht sich an die nächste. Wir mühen uns, einen Blick in die Auslagen zu erhaschen, um zu entscheiden, in welche Bar wir uns reinquetschen. Es gibt so ein paar Standard-Pintxos, die es in fast jeder Bar gibt, aber spannend sind die individuellen Kreationen. Wir futtern uns durch 4 verschiedene Bars, in denen wir natürlich auch jeweils zwei Gläser Rioja aussuchen. Die besten Häppchen sind die, deren Zusammensetzung – ähnlich wie in Frankreich – nur erahnt werden kann. Bei den Weinen halten wir uns weitgehend an die ‘Reservas’, die 18 Monate in Eichenfässern und danach noch in der Falsche weiter gereift sind, sehr edle Tropfen sind darunter. Die Stimmung ist sehr gelöst, gar keine Kampfpilger sondern fast nur Einheimische sind an diesem Freitagabend unterwegs. Morgen wartet auf uns eine Etappe, die möglicherweise etwas dämlich lang geplant wurde, deswegen müssen wir schon nach 8 Gläsern Wein ins Bett und finden dann sogar noch ohne Google zurück in unser Hotel.

Durch die Weinberge La Riojas nach Logroño

Azofra ist ein sehr kleines Nest und für’s Frühstück gibt es keine Auswahl sondern nur eine Kneipe, dessen schon etwas älterer Wirt von den Massen der Pilger (davon 2/3 Koreaner), die seinen Laden okkupieren leicht überfordert scheint. Die Croissants aus dem Herd sind jedenfalls noch nicht durch, aber der Orangensaft ist wie der Kaffee perfekt.
Die Sonne müht sich durch dünne Wolken hindurch zu kommen, scheitert aber und so bleibt es den Tag über meist bewölkt und obwohl wir bei schon 10° aufbrechen, wirkt es kühler als gestern. Wir rollen gemütlich nach Nájero runter, dann geht es länger auf einer ruhigen Landstraße bergauf, wo wir vom höchsten Punkt der heute kurzen Etappe eine weite Sicht in die Weinberge und die verstreuten Dörfer haben, in der Ferne die Ebene des Ebro, in der unser Ziel Logroño liegt. Zunächst aber geht es rasend schnell bergab und wir rollen bis Navarrete, einem mittelalterlichen Städtchen, in der es von Pilgern nur so wimmelt. Das kleine Café am Kirchplatz hat nur draußen Tische, was ohne Sonne wirklich ungemütlich ist, was willste machen? Es gibt aber gute Käse mit Tomaten-Brötchen.
Nach der Mittagspause wollen wir zum Decathlon in Logroño, was ein schwerer Fehler war, denn ich habe Google die Wahl der Route überlassen. Die führt uns zunächst sehr hübsch durch Weinberge, dann aber auf einem Schotterweg geradewegs auf die Gegenfahrbahn der Autobahn. Die ganze Gegend wird zum Bau einer weiteren Autobahn völlig neu strukturiert, hier ein Berg weg, dort eine Abraumhalde hin und so ist unser ‘Weg’ wohl im wahrste Sinne des Wortes verschütt gegangen. Wir müssen umdrehen und wieder auf den richtigen Track, aber auch der ist nicht gerade optimal zum Radfahren, denn es ist der teils steile Fußweg der Pilger. Zum Glück geht es abwärts und dann ergibt sich doch noch die Möglichkeit für einen Schlenker zum Decathlon, der die erhofften Teile für einen 2. Rückspiegel, dem Wunsch der Gattin entsprechend, im Sortiment führt.
Unser Hotel liegt direkt am Camino, der Rua Vieja in der Altstadt.

44 Km, 440 Hm, Dem Jakobsweg folgen ist besser als Google

Von Villafranca Montes de Oca nach Azofra

So schön kann das Radeln auf dem Jakobsweg auch sein: Kein Wind, kein Regen, keine Feldwege, fast kein Verkehr (nicht mal auf der N120), keine fiesen Steigungen, fast schon angenehme Temperaturen und mehr Sonne als vorhergesagt. Und dann noch 3 lange Abfahrten, so dass wir heute Nachmittag 400 m niedriger ankommen als in der früh losgefahren.
Es hat uns schon ein wenig gegraust, dass wir 12 Kilometer bis Belorado auf der N120 fahren müssen, wo doch gestern die LKWs noch in Kolonnen daherkamen, aber heute früh waren es nur ganz wenige und da es leicht bergab ging, war die Strecke schnell gemeistert. Die Route machte ab Belorado einen großen Bogen auf Nebenstraßen immer leicht abwärts durch weite Landschaft mit großen Getreidefeldern und schroffen Hangkanten von höher gelegenen Plateaus, in eine hat man sogar ein Kloster in die Felsen gehauen. Das Farbenspiel zwischen gelbem Raps, grünem Getreide und roten Äckern ist heute sensationell!

Wir passieren eine große grüne Tafel mit dem Hinweis, dass wir jetzt in die autonome Gemeinschaft La Rioja fahren und tatsächlich gibt es vereinzelte flache Wein’berge’. Die Landschaft wird hier wieder bergiger und es liegt auf manchen Gipfeln noch Schnee. In Santo Domingo de la Calzada machen wir Mittagspause und lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen, kaufen für das Abendessen ein und büßen in einer Pastelleria wegen unkontrollierten Suchtverhaltens über 20 € ein. Dann müssen wir nur noch über einen Hügel und genießen die letzte lange Abfahrt bis Azofra, wo wir wieder in einem schönen alten Haus mit stilvollen Möbeln unterkommen.

57 Km, 300 Hm, aus dem Depot 400 Höhenmeter sehr gut verkauft