Der Tag beginnt mit einem Frühstück an einem entzückenden kleinen Platz in Ayamonte


Die Überfahrt nach Villa San Real (Portugal) mit einer kleinen Fähre über den Fluss Guadiana ist zwar leider schnell vorbei, allerdings gewinnen wir dabei einen ganze Stunde, die wir aber heute sehr brauchen werden.
Der Radweg EuroVelo 1 ist jetzt in Portugal überwiegend sehr gut mit Schildern markiert. Am Anfang verläuft die Route weitgehend durch Siedlungen mit vielen kleinen Häuschen, in der Masse eher abschreckend, nebst Campingplätzen und Hotelburgen. Die Sonne hat sich hinter dichtem Nebel versteckt. Aber es wird besser, sobald wir durch Wälder und wirklich blühende (und duftende) Landschaften kommen. Meist fahren wir auf Sandwegen und Nebenstraßen, die zwar schon bessere Zeiten gesehen haben, dafür fährt aber auch sonst niemand, der das Gezwitscher der Vögel stört. Nach 30 Km erreichen wir das Städtchen Tavira mit einer lebendigen Altstadt, in der viele Häuser hübsch gekachelte Fassaden haben, einer römischen Brücke und feinen Lokalitäten. Auffallend, dass der Ort ein indischer Hotspot zu sein scheint (Goa war 450 Jahre portugiesische Kolonie, wer weiß, wie das zusammenhängt…)

Der weitere, meist gut gepflegte und sehr schöne Weg verläuft durch die Salinen bzw. Salzwiesen, sehr entspannt. Wir machen nochmal Pause an einem perfekten Sandstrand, stärken uns mit portugiesischem Naschwerk um die letzten 10-15 Km bis nach Faro zu schaffen.

An manchen Stellen des Wegs gibt es aber kapitale Aussetzer, z.B. als der neu gebaute (und daher im GPS Track noch nicht verzeichnete) Weg unvermittelt im Schlamm endet oder gar so verbarrikadiert ist, dass man umkehren muss und sich plötzlich auf einer 4-spurigen Schnellstraße mit Mittelteiler wiederfindet. Es bleibt nichts anderes übrig, als auf dem Randstreifen ein paar Km als Geisterradler sein Leben zu riskieren, um dem Etappenziel Faro näher zu kommen. Aber es regt sich niemand auf, passiert ja jedem, der den EuroVelo 1 (‘Developed Route’) längs kommt. Die Fahrt durch die Außenbezirke von Faro ist kein Vergnügen, im portugiesischen Alltagsverkehr ist der Radfahrende nicht wirklich vorgesehen.
Unsere Unterkunft in einem Altbau vergangener Jahrhunderte ist originell, nur die Unterbringung der Fahrräder schwierig und erst nach Beratschlagung mit der Crew des Restaurants im gleichen Haus einigermaßen gesichert. Mit 71 Km Strecke, 360 Höhenmetern, 5 Stunden im Sattel und fast einem Sonnenbrand war der Tag beinahe ein wenig anstrengend.

