Mit Ausnahme von Booking (wir mussten noch nicht auf der Straße schlafen) und unseren Fahrrädern ist auf nichts, aber auch gar nichts Verlass. Wenig überraschend: Der Wetterbericht, kündigt für den nächsten Tag Sturm aus Nordwest an, der Tag beginnt dann mit leichtem Südwind und endet mit einem lauen Lüftchen aus West. Der angekündigte Regen fällt auch aus – da wollen wir uns nicht beschweren. Wären Vorhersage und tatsächliches Wetter anders herum ausgefallen, könnte es in dieser menschenleeren Gegend schon problematisch werden.
Die Streckenführung des EuroVelo 1 haben wir ja von der offiziellen website heruntergeladen und stellen nun fest, dass munter neue Wege gebaut wurden, die auch beschildert sind, aber so stark vom ‘Original’ abweichen, dass wir einfach kein Vertrauen haben, hier nicht noch zig Km und Höhenmeter extra fahren zu müssen. Deshalb folgen wir manchmal den alten GPS Daten, fahren manchmal auf der Straße und einmal fast querfeldein, nach Begutachtung der Satellitenbilder, ob der Pfad wieder in die Zivilisation führt oder auf der Klippe endet.
Der Straßenbelag hat nicht unwesentlichen Einfluss auf die Planung der Etappen, denn 60 Km auf schlagloch-übersähten Rumpelpisten sind einfach eine Zumutung für Mensch und Material, die gleiche Strecke auf einer passabel asphaltierten Landstraße auf einer Arschbacke erledigt. Leider wechselt der Untergrund mehrmals täglich zwischen den äußersten Extremen hin und her und man weiß nie, was am Ende des Tages überwiegen wird.
Die Höhenangaben sind anders als die GPS Positionsdaten völlig random. Hier scheint es nach der initialen Vermessung der Welt durch Gauß und Humboldt keinerlei technischen Fortschritt mehr gegeben zu haben. Egal mit welchem Tool man versucht, die Höhenmeter der Tagesetappe zu berechnen, es wird nicht stimmen. Google faselt von ‘überwiegend flach’, wenn tatsächlich Steigungen von über 20% vorkommen. Das Garmin liegt zwar am Ende des Tages relativ gut, weicht aber unterwegs schon mal um +- 50 Meter in der absoluten Höhe ab. Schade, dass genaue Geodaten scheinbar ein militärisches Geheimnis darstellen und der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.
Aber wir wollen nicht zu sehr jammern, denn wenn alles nach Plan laufen würde, wäre es auch irgendwie langweilig…
