Abgefüllt mit Porto

Wie locker sich 70 Km Strecke wegradeln lassen, verglichen mit dem 10 stündigen Besichtigungsmarathon aus dem Programm der Gattin, die sich zur Sicherheit noch einen Reiseführer heruntergeladen hat. Es wurde nichts ausgelassen! Angefangen mit der Kathedrale, ziemlich weit oben gelegen (Porto ist noch eine Nummer steiler als Lissabon), mit schöner Aussicht vom Dach über die Stadt, ging es danach durch die engen Gassen (regelrecht verstopft von Reisegruppen)

zum nächsten Hügel, wo wir einen Buchladen, die Livraria Lello besichtigen wollten. Die Länge der Schlange vor dem Ticketschalter erledigte diesen Programmpunkt, wir sind ja nicht im Urlaub. Es folgten zwei weitere Kirchen, dann das Jugendstil-Cafe de Brasileiro, der Markt do Bolhao mit hervorragenden Tapas, die verspiegelte Confeitaria do Bolhao mit dem leckersten Kuchen Portugals,

weiter zum MC Donalds-Imperial auch in einem Jugendstilbau (diesmal ohne Verkostung), der Praca de Liberdad und schließlich eine Führung durch den Palacio da Bolsa, dem Prunkbau der Handelskammer.

Der letzte Programmpunkt war die geführte Besichtigung eines Portweinkellers. Die Wahl fiel auf die uns unbekannte Firma Calem, gegründet 1856. Die interessanten Erläuterungen zu Herkunft und Herstellung von Portwein gingen der gebuchten Verkostung voraus, richtig groovy wurde es aber erst nach dem 3. Glas Port, als wir mit Susanna und Jakob aus Warschau ins Gespräch kamen und kulminierte mit dem gemeinsamen Leeren 6 weiterer, herrenloser Gläser Portweins, bevor wir sanft aufgefordert wurden zu gehen und dies gerade noch ohne fremde Hilfe geschafft haben. Gestern, übrigens, waren wir schonmal zu einer Portwein-Verkostung mit 5 verschiedenen Weinen, darunter wirklich erlesene Vintage Weine.

Noch zu erwähnen, das Terrorregime der Straßenmusikanten: Immer dort wo sich mehr als 5 Touristen / m² ballen (also in der gesamten Innenstadt) belagern sie jeden Platz und jede Fußgängerzone. Akustische Überschneidungen ergeben sich zwangsläufig, da jeder seine Darbietung mit Verstärkern potenziert. Auf der nach unten offenen Richterskala der musikalischen Erschütterung wurden in Porto Rekordwerte gemessen: Immer dieselben ollen Kamellen, mit Rhythmusmaschinen unterlegt, wahlweise gefidelt, gezupft oder gesungen – es ist, mit wenigen Ausnahmen, eine Zumutung. Die wahren Künstler Portos aber sind die Busfahrer, die millimetergenau durch die engen, steilen Gassen manövrieren, Hut ab!

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