Schon vormittags sieht man in Santiago viele mehr oder weniger humpeln oder gar mit Krücken gehen, auch sind viele mit Rucksack unterwegs, also wahrscheinlich auf dem Weg nach Hause. Aber das sind wir ja auch. Nach einem spanischen Frühstück (Toast mit Tomatenpampe und Olivenöl, kann mit Serrano ergänzt werden) ändert sich unsere Reiserichtung um 90° in Richtung Osten. Erste Schilder mit ‘EuroVelo 3’ erschrecken uns, müssen es schon wieder Trampelpfade durch den Wald sein? Noch nicht richtig draußen aus der Stadt, wird es schon wieder steil und nach ein paar Kilometern geht es tatsächlich durch den Wald auf schlammigen, verwurzelten Pfaden in Richtung Flughafen. Von dort muss es eine Mini-Pilgerroute ‘zu Fuß in die Stadt’ geben, denn es kommen uns hunderte, meist Jugendliche, ohne Gepäck entgegen. Nach Umrundung der Startbahn kommt die Stelle, an der sich der Weg endgültig gabelt in Richtung Küste, der Caminho del Norte und nach Osten der Caminho frances.

Wir fahren auf sehr hügeligen aber ebenso verkehrsarmen Landstraßen durch das frische Grün der Wälder und Wiesen und begegnen immerfort Pilgern, einzeln oder in Gruppen, man muss unwillkürlich an Lemminge oder wenigstens Ameisenstraßen denken. Nach etwa 35 Kilometern erklärt sich die Ruhe auf der Landstraße, denn wir treffen auf das Ende einer neu gebauten Autobahn und von hier an ist es eine einzige LKW Kolonne, die restlichen 5 Kilometer bergauf bis Arzúa, wo wir Mittagspause machen und das GPS schon über 900 Höhenmeter anzeigt. Am Ende der Etappe, nach 56 Kilometern in Melide, sind es über 1300. Die GPS Daten der Etappe aus dem bikeline Reiseführers hatten 670 Höhenmeter versprochen. Der Redakteur, der die Daten so schön geglättet hat gehört fristlos entlassen. Gut ausgepowert haben wir uns, bei 30° auf der Anzeigetafel der Apotheke, ein Bier verdient

und später noch eins am zentralen Kreisel der Stadt, die ein bedeutendes Drehkreuz für Schwertransporte aller Art zu sein scheint. Immerhin, für das Abendmahl, auf dieser Reise das erste unter freiem Himmel ohne zu frieren, finden wir ein sehr nettes, ruhiges Gartenlokal, sogar mit Salat.
Mal sehen, was sich die Beine morgen früh noch gemerkt haben…
