Frisch geölt kamen die Fahrräder aus der Wellnessoase des Hotels. Wir sind erst um halb 11 los gefahren, denn am Morgen hat es nur 3°, da warten wir lieber, bis es 7° sind und die Sonne schon etwas wärmt. Die Strecke ist heute flach und es weht fast kein (Gegen-) Wind, also fast optimale Bedingungen, wäre es ein wenig wärmer. Über den Tag kann man immer mehr von den warmen Sachen ausziehen, bis es um ca. 15 Uhr tatsächlich 20° warm wird.
Unterwegs treffen wir zum mittlerweile 4. Mal eine Schweizerin, die wie wir den Camino rückwärts bewältigt. Es ist die zweite Hase und Igel Story der Reise, wie kann es sein, dass sie (laufend) eine Woche lang immer wieder vor uns (radelnd) auftaucht und sich freut uns wieder zusehen. Des Rätsel Lösung ist, dass sie keine Pausetage einlegt und bereits früh um 7 aufbricht, ziemlich tough!
Nach 30 Kilometer machen wir Pause im Grünen, denn entlang des Pilgerwegs gibt es immer wieder Sitzgruppen mit Schatten, manchmal mit Brunnen, zum Rasten. Vormittags begegnen uns hunderte Pilger, nachmittags nur noch dutzende. Auf einer Länge von vielleicht 20 Kilometern verläuft der Pfad parallel zu einer kleinen Landstraße im Schatten einer halben Allee tausender Platanen, die gerade erste Blätter austreiben. Hübsche gelbe Blütentrauben säumen den Weg, sie schauen aus wie Raps, stinken aber nicht so.
An der letzten Brücke des Tages, am Ortsrand von Sahagun, wartet mal wieder eine Überraschung. Die Brücke ist gesperrt, sogar zu Fuß keine Chance. Es gibt lt. Google in leidlicher Entfernung zwei weitere Brücken zur Auswahl, eine rechts, eine links. Wir entscheiden uns für rechts. Leider ist es unmöglich von dem Feldweg auf diese Brücke zu gelangen, Böschung und Leitplanken. Also fahren wir weiter auf dem Feldweg parallel zur Straße in der Hoffnung, irgendwo eine Lücke zu finden, vergeblich. Irgendwann sind wir soweit außen herum gefahren, dass wir nun über die andere Brücke den Fluss queren und von hinten (nicht ohne eine weitere Anhöhe) endlich nach Sahagun gelangen.



Das Hostel ist von der einfachen Art, aber ganz ok. Sahagun ist ein nettes Städtchen, eigentlich noch ein Dorf mit einem kleinen zentralen Platz, auf dem am Abend mächtig was los ist, die Kinder spielen, während die Eltern in den Bars rundherum ihr Bierchen trinken.

61 Km, 315 Hm, wäre mehr drin gewesen, wären die Unterkünfte nicht ausgebucht gewesen – die Pilgersaison beginnt.
