Von Fromista nach Hontanas, durch den Wind

Nun muss wieder mal Chris de Burgh herhalten, ‘Blowing a hole in your life, Eastern wind‘ ist der Refrain aus dem gleichnamigen Song, der für den heutigen Tag geschrieben wurde.
Gleich am Ortsende von Fromista geraten wir in eine sandige Brückenbaustelle über den Canal de Castilla, deren Umfahrung nicht ersichtlich ist, außer natürlich für die Pilger, die ja aus der anderen Richtung kommen. Wir gelangen zurück auf den Schotterweg entlang des Kanals und nach einer Weile – oh Schreck – sehen wir ein Zeichen ‘EuroVelo 1’, die Pest ist zurück. Die Route führt alsbald auf einen übel steinigen Feldweg, den wir für ca. 10 Kilometer befahren müssten, ein Unding in Kombination mit dem Sturm und der Länge der Etappe, also finde ich einen Weg über eine schnurgerade Landstraße. Die Redakteure des Bikeline-Führers haben sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht, die Verhältnisse vor Ort zu prüfen, denn wann immer möglich, geht der Track über Feldwege, die z.T. nur wenige Meter neben wunderschönen Landstraßen ohne jeglichen Verkehr verlaufen. Nichtsdestotrotz verwirbelt der Sturm nicht nur die Klamotten sondern auch die Wahrnehmung, mit den Böen verflüssigen sich die Kornfelder plötzlich zu grünem Smoothie. Aus dem geplanten 2. Frühstück nach 27 Kilometern in Castrojeriz, rund um einen Hügel an den steilen Hang gebaut, wird nach 2,5 Stunden Kampf gegen den Wind die Mittagspause.
Fast den ganzen Tag fahren wir in einigem Abstand entlang eines gigantischen Windparks mit bestimmt mehr als 100 Windrädern, von denen nur eine Handvoll laufen – was ist da los? Wahrscheinlich produzieren die 5 Anlagen bei dem Sturm genug für einen sonnigen Sonntag in ganz Spanien.

Der weitere Weg nach Burgos mit mehreren Anstiegen auf unkalkulierbaren Feldwegen wäre noch 40 Kilometer lang. Wir beschließen deshalb eine Übernachtung in Hontanes einzuschieben, wo es in einer luxuriösen Pilgerherberge sogar noch ein Zimmer mit Bad gibt. Bis dahin sind es nur noch 10 Kilometer auf der Straße, leicht ansteigend. Unterwegs kommen wir an der bizarren Ruine des Convento de San Antón vorbei, vor hunderten Jahren als Pilgerherberge und Krankenhaus gegründet, stehen dort noch die Außenmauern einer prächtigen Kathedrale. Durch ein Seitenschiff führt heute die Straße, absurder geht es kaum. In den Ruinen findet sich ein kleiner Raum mit Stockbetten für die Pilger, sehr spartanisch aber die Kulisse ist spektakulär.

Die Landschaft ändert sich nun zum ersten mal seit Tagen: Hügel, Bäume, Bäche und Flüsse, eine richtige Abwechslung nach all der endlosen Ebene. Das kleine Bergdorf Hontanes erwartet uns auch wieder mit einer Baustelle und gesperrter Straße, die Räder müssen über die Gräben gewuchtet werden, durch die neue und vor allem dichte Wasserleitungen verlegt sind, was scheinbar in einem Mammutprojekt in ganz Spanien gleichzeitig passiert, die Wasserknappheit lässt grüßen.
In der Herberge haben wir ein sehr großes Zimmer und die Gesellschaft zahlreicher Pilger, die von ihren Wandererlebnissen erzählen. Waschmaschine und Trockner gibt es ebenso wie eine Bar mit Sonnenterasse. Das Abendessen wird, wie in einer alpinen Hütte gemeinsam verzehrt, Paella mit oder ohne Huhn.

38 Km, 335 Hm, wann hört der Sturm auf?

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