Von Serignac nach Moissac

Frühstück im Garten in der Sonne, das ist eine neue Qualität, wird uns der Sommer doch noch ein paar Tage auf dieser Reise schenken? Kaum richtig warm gefahren, sind wir schon in Agen, einer kleinen Stadt mit einer großen, 350m langen Brücke, die den Garonne Kanal über die Garonne auf die andere Seite führt. Gleich hinter, halb unter der Brücke liegt ein kleines Café mit dem bisher besten Cappuccino in Frankreich. Die Garonne ist auch hier immer noch eine braune Brühe mit ziemlich Tempo, das ist vielleicht Schneeschmelze aus den Pyrenäen. Wir bleiben den ganzen Tag auf dem Treidelpfad des Kanals, der hier aber deutlich bessere Qualität als gestern hat, was aber durch den stetigen Ostwind wieder egalisiert wird. Landschaftlich ist es nicht ganz so reizvoll wie gestern, da der Allee-Charakter nur noch stellenweise gegeben ist. Leider fehlen auch Rastplätze, so dass wir uns mit unserem, in Agen erstandenen, fein belegten Baguette einfach in den Platanenschatten auf die Straße setzen müssen.

Nach 40 Km sind wir in Valence, das sogar über ein geöffnetes Café verfügt in dem es auch noch Salat gibt, das ist ja fast schon wie in Spanien! Unspektakulär und sehr warm geht es weiter bis nach Moissac, wo wir wieder mal in ein abenteuerliches Appartement geraten, das irgendwie in ein mittelalterliches Haus hineingebastelt wurde. Das Treppenhaus einsturzgefährdet, die Wohnung schick, in weiß gekachelt.
Moissac entpuppt sich als wirklich interessantes und lebendiges Örtchen, zum einen leben hier auffällig viele Marokkaner, die hier auch ihre spezielle Bäckerei oder Gemüseladen betreiben, zum anderen hat es uns wieder auf den Jakobsweg zurückgeworfen: Viele (skurrile) Pilger, Pilgerherberge, Pilgerladen; welche Untervariante des Camino hier wohl vorbei führt? Die Kirche ist auch originell, denn sie hat bemalte Wände und dazu eine Tafel, die auf eine blank gescheuerte Stelle an der Wand hinweist, an der jeder (also fast jeder) Besucher hinlangt, um zu prüfen, ob die Wand nicht doch tapeziert ist.

Zum Abendessen auf dem Kirchplatz gönnen wir uns schon wieder ein Menü, bei dem, wie so oft in Frankreich, Vorspeise und Nachspeise besonders kreativ herausstechen: Es gibt Jakobsmuscheln auf Spargel und Wachtel mit Gänseleberpastete, zum Abschluss ein Omlette Norvégienne (eine Mischung aus Eis, Biscuit, Eischnee und Rumrosinen) und eine flambierte Schaumcrème auf Erdbeeren. Da wir alles brav teilen, kommen wir immer in den Genuss eines 6-Gänge Menüs.

57 Km, 162 Hm, fast ein Pausetag, wäre da nicht der Wind gewesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert