Vielleicht war es ein Fehler, in Toulouse beim Frühstück so viel Zeit zu vertrödeln, denn im Lauf des Tages wurde der Gegenwind immer heftiger, was die Etappe dann doch ziemlich ungemütlich werden ließ. Am Anfang in Toulouse liegen hunderte durchaus große Hausboote im Kanal, ehemalige Frachtkähne, die nun am Ufer vertäut sind und vermutlich in ihrem restlichen Leben keinen Meter mehr (aus eigener Kraft) fahren werden. Das hat doch was von Schrebergartensiedlung. Als wir die Außenbezirke von Toulouse hinter uns gelassen haben, verläuft der Kanal in unmittelbarer Nähe zur Autobahn, so dass man sich zumindest akustisch zeitweise auf dem Standstreifen unterwegs wähnt. Der starke Wind braust ebenso laut, was die Sache aber keineswegs besser macht. Immerhin gibt es ab und zu Windschutz durch Sträucher und Bäume, denn der Kanal macht viele Kurven. Zur Mittagspause finden wir an einer Schleuse aber doch ein ruhiges Plätzchen.




Jetzt sind es noch ca. 15 Km bis zum Scheitelpunkt zwischen Atlantik und Mittelmeer auf ca. 180 M Höhe. Der Übergang ist kaum zu bemerken, aber an den Schleusen geht es nun jedes mal ein paar Meter abwärts. An einer Dreifach-Schleuse beobachten wir, wie ein ziemlich langes Ausflugsboot durchgeschleust wird. Die Kapitänin und ihr ‘Matrose’ sind ganz schön im Stress, denn auch ihnen macht der stürmische Wind Probleme, das Schiff ohne Beschädigung durch die engen Schleusen zu bugsieren. Bei der nächsten Schleuse, Ecluse de la Planque, haben wir unser Tagesziel erreicht. Sehr freundlich werden wir von der Wirtin empfangen und in unser originelles, sehr holzbetontes Zimmer in dem äußerlich eher schmucklosen Haus des früheren Schleusenwärters geführt.





Zum Abendessen bekommen wir Cassoulet, das typische Gericht der Gegend, ein Eintopf aus weißen Bohnen mit Fleisch und Wurst, ganz und gar nicht die gewohnte französische haute cuisine, sondern eher deftige Hausmannskost. Der Smalltalk mit dem französischen Ehepaar am anderen Tisch gelingt einigermaßen, dennoch finde ich es anstrengend, weil, sobald man einen halbwegs korrekten Satz formuliert hat, das Gegenüber kein Pardon mehr kennt und weder Tempo noch Komplexität der Unterhaltung zu bremsen sind.
59 Km, 100 Hm geschätzt, denn das GPS spielt bei dem Wind verrückt und addiert unter jedem Baum ein paar Meter hinzu.
