Für die 30 Km von Aigues-Mortes nach Saintes-Maries-de-la-Mer gibt es keine Radwege mehr, dafür aber an der Straße einen Seitenstreifen, der wegen des starken Verkehrs sehr angenehm ist. Außerdem haben wir heute famosen Rückenwind. An zahlreichen Weingütern, die Vin de Sable verkaufen (also Sandwein, knirscht aber nicht auf den Zähnen, wir haben ihn gestern probiert) sausen wir vorbei und bremsen mal für ein paar hübsche weiße Camargue-Pferde, die hier keineswegs wild sind, sondern nur sehr große Weiden haben. Viele Höfe bieten auch das Ausreiten mit diesen Pferden an.
In Saintes-Maries-de-la-Mer ist wieder der Bär los, hunderte Campingwägen umlagern das kleine Städtchen, das in diesen Tagen von vielen Pilgern besucht wird, da hier 1448 Reliquien von zwei heiligen Marien entdeckt wurden und auch noch die Schwarze Sara verehrt wird, die Schutzheilige der Sinti und Roma. Wir pilgern in eines der zahlreichen Cafés und lauschen unfreiwillig ein paar Gitanos-Straßenmusikanten. Dann wird es spannend, denn die Route führt nun direkt durch den Nationalpark auf einem geschotterten Damm, dessen Beginn völlig versandet und nicht befahrbar ist. Nach Auskunft eines uns entgegen eiernden Motorradfahrers handelt es sich aber nur um ein kurzes Stück, also schieben wir da durch, aber wie weit er die Strecke (ca. 20 Km) kennt, kann man nicht wissen. Mit einem etwas mulmigen Gefühl fahren wir weiter, ein Weg auf der Straße würde 60Km Umweg bedeuten, nicht gerade was man sich für den Nachmittag antun möchte. Aber die Anfrage an das Universum (=> Hape Kerkeling, Ich bin dann mal weg) funktioniert auch hier und es taucht ein Jeep der Nationalparkverwaltung auf. Ich frage die Dame mit dem Fernglas, ob man bis Salin-de-Giraud mit dem Fahrrad durchkommt. Die Auskunft ist eindeutig und positiv, als Susi noch eine Nachfrage stellen möchte die ich übersetzen soll, stellt sich heraus, dass die Dame eine deutsche Biologin ist. Damit sind auch die Bedenken der Gattin ausgeräumt, ich könne entscheidende Details nicht verstanden oder bei der Übersetzung hinterlistig weggelassen haben. Mit einem fast schon stürmischen Rückenwind fahren wir also hinein in das Reich der Flamingos, die hier wirklich zahlreich in den vom Meer abgewandten ruhigeren Lagunen meistens den Kopf nicht im Sand aber unter Wasser haben. Zur Mittagspause lassen wir uns am Straßenrand nieder und machen nochmal 3 Kreuze für den günstigen Wind, der uns nämlich auch die Mücken vom Leib hält. Nach der Mittagspause, mit frisch gepflücktem Queller, entscheiden wir uns an einer Kreuzung für den etwas längeren Weg nach Salin-de-Giraud, der als Fahrradroute ausgewiesen ist. Dieser Weg scheint direkt hinaus aufs Meer zu führen, nur noch ein Damm, rechts und links Wasser und der starke Westwind zerrt am Lenker, als die Strecke für ein kurzes Stück nach Süden schwenkt. Das ist wirklich eine unglaubliche Gegend und erinnert an Island oder die Atacama Wüste. Nach ein paar weiteren Kilometern wird aus dem Deich eine Piste, die mehr an einen Schweizer Käse erinnert als an eine Straße. Das Material wird so malträtiert, dass an Susis Hinterrad langsam die Luft entweicht, wir es aber bis Salin-de-Giraud schaffen und ich erst dort im Garten der Unterkunft das Leck suche und schließlich einen neuen Schlauch montiere – die Verschweißung des Ventils am Schlauch ist nicht mehr dicht – die erste Panne nach exakt 3000 Km und nicht unbedingt eine Empfehlung für die ultraleichten Aerothan Schläuche von Schwalbe.
Auf der schönen Gartenterrasse des Hauses gibt es unser Standard-Abendessen aus dem Supermarkt: Baguette, Entenleberpastete, Ziegenkäse und Salatherzen, dazu eine Flasche Rotwein. Der Rest des Städtchens erinnert fast an Geisterstätte aus der Goldgräberzeit, nur dass hier Salz aus den Salinen gewonnen wurde, was sich heute, außer vielleicht für ein paar Päckchen Fleur de Sel wohl nicht mehr lohnt.










66 Km, 50 Hm (geschätzt), perfekter Wind, heute den 3000. Km gefahren.
