Ein Tag im Garten Eden

klingt spektakulärer, als er tatsächlich war, aber der Garten, den wir als Übernachtungsgäste kostenlos besuchen dürfen heißt halt so, obwohl es weder einen Apfelbaum, noch Schlangen oder gar ein nacktes Paar gibt. Dennoch ist der steil an einen Berghang angelegte Garten, mit vielen kleinen Frosch- und Fisch-Tümpeln, nicht unattraktiv, zumal es von oben einen sehr schönen Blick auf Tournon und die Rhône gibt.

Den ganzen Tag dort zu verbringen, wäre mir aber zu langweilig gewesen, deswegen habe ich mich entschieden, den Mistral mal von hinten spüren zu wollen und bin die 25 Km bis Valence ‘in die falsche Richtung’ gefahren. Das ging meist auf dem Deich entlang, sehr entspannt mit 30 Km/h. Valence muss man jetzt nicht unbedingt gesehen haben, aber einen großen Stadtpark gibt es, der die Autobahn, grausam direkt am Rhône-Ufer gelegen, gut kaschiert. Im Café ‘Victor Hugo’ habe ich das beste und teuerste Tarte Citron überhaupt genossen, der Eischnee, luftig leicht und gar nicht klebrig auf der Zitronenfüllung, schien erst beim Servieren aufgetragen zu sein.
Für den Rückweg habe ich mir für 3,70 € ein Zugticket geleistet, ich finde, wir sind genug gegen den Wind geradelt.

Für das Abendessen in Tournon war die lange Liste der Restaurant-Empfehlungen unseres Vermieters völlig wertlos, denn es ist Montag. Wir wurden von ihm wortreich darüber aufgeklärt, dass die einheimischen Ardèchois nach 4 Tagen Arbeit so erschöpft wären, dass erst mal 3 Tage Erholung angesagt sind – ich würde soweit gehen, diese Aussage als für in ganz Frankreich zutreffend zu halten. Läden, Cafés und Restaurants sind bei weitem länger geschlossen als geöffnet. Lediglich indische und vietnamesische Restaurants haben meist täglich geöffnet, nur nicht in Tournon. So landen wir in einem französischen Restaurant (nicht auf seiner Liste), das – oh Wunder – geöffnet hat und stellen fest, dass der Laden von zwei Indern geführt wird… Wir bestellen das typische Gericht der Gegend, Reiberdatschi, auf Französisch Crique, bodenständig aber lecker.
Besonders das Leben in den Bars (vor und hinter der Theke) könnte in Frankreich und Spanien nicht unterschiedlicher sein. Hier gähnende Leere und dennoch völlig überfordertes Personal und in Spanien ein Betrieb wie im Bienenstock, aber nach längstens 90 Sekunden hat man seinen Kaffee.

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