Man kann 1500 Km durch Frankreich radeln und trotzdem kontinuierlich dicker werden. Am schlimmsten ist es in Lyon mit 2355 Restaurants (soviel zählt zumindest Tripadvisor), dem Zentrum der französischen Kochkunst. Paul Bocuse, einer der berühmtesten Köche des 20. Jahrhunderts wurde in Lyon geboren und starb auch hier vor 5 Jahren. Wir wurden nicht enttäuscht, selbst in der Altstadt, mit den vielen Touristen, war die Qualität der Gerichte außergewöhnlich. Die typischen Lyoneser Restaurants heißen ‘Bouchon’ und wir waren im ‘Bouchon Tupin’ zum Abendessen, besonders begeistert waren wir von den Hauptgerichten, die überaus kreativ und weit besser waren, als alles, was wir bisher in Frankreich erlebt haben. Quenelles, z.B. sind Klößchen aus Hecht in einer Hummersoße in einer feuerfesten Form überbacken. Für diese Qualität waren 34 € für das 3-Gänge Menü sehr preiswert. Erstaunlicherweise konnten die Nachspeisen das Niveau nicht halten. Aber den süßen Verlockungen kann man sich auch in den zahlreichen Patisserien hingeben.
Im Restaurant gestern Abend hatten wir uns zum Essen eine Flasche Rotwein aus dem Rhônetal gegönnt, durch dessen Anbaugebiet wir gefahren waren (Crauze-Ermitage), ein französisches Paar am Nachbartisch befand dann, dass das zwar ein guter Wein sei, aber eigentlich sollten wir mal von ihrem Beaujolais probieren und bestellten dafür ein Glas beim Ober. Bei einer Blindverkostung wäre ich mir nicht sicher, ob ich die beiden, nach Aussage des Paars so grundverschiedenen Weine auch korrekt auseinanderhalten könnte. So plauderten wir eine Weile über dies und das, natürlich unsere Reise mit dem Rad und das geht mittlerweile auch in französisch recht passabel.
Es gibt in Lyon aber noch mehr zu sehen als fein drapierte Teller. Wir sind mit einer Standseilbahn auf den Hügel Fourvière hinaufgefahren, von dem man einen tollen Blick auf Lyon hat und angeblich bis zum Mont Blanc haben kann. Oben steht auch eine markante Kathedrale mit 4 Türmen, mit einer goldenen Madonna zur Erinnerung an das Lyoner Wunder, angeblich von der Pest verschont worden zu sein (was sicher nicht der Fall war). Innen ist die Kirche mit großflächigen Mosaiken geschmückt und wir stolpern in eine gut besuchte Messe mit großem Kinderchor. Allerdings stellten die Eltern mindestens 80% der Gläubigen. Zu sehen gibt es auf dem Hügel noch ein römisches Amphitheater und dicke schwarze Wolken, die nicht mehr ganz dicht sind.




Von oben lässt sich gut der weitere Stadtrundgang planen und als nächstes besuchen wir den großen Platz Bellecour mit einer Reiterstatue Ludwig XIV, die hat die französische Revolution wohl übersehen zu entfernen.

Zu Mittag sind wir in der Altstadt Vieux Lyon eingekehrt, es gibt ein Crêpe mit Roquefort. In der Altstadt sind viele Häuser über verwinkelte Durchgänge miteinander verbunden und durch manche darf man hindurchgehen wenn die Tür offen ist und gelangt so ungesehen zur nächsten Straße, was wohl der ursprüngliche Zweck gewesen ist.
Etwas erschlafft schaffen wir es am Nachmittag gerade noch so, uns in ein Ausflugsschiff zu setzen und lassen uns eine Stunde die Saône entlang schippern. Vom Schiff hat man einen guten Blick auf einige spezielle Häuser, deren Fassaden nur (aber täuschend echt) gemalt sind.







