Unsere Besenkammer im Schloss hat uns gestern und heute so viel Freude bereitet, dass wir sie nachträglich das ‘Loriot-Zimmer’ nennen. Auch wenn das Bild nicht schief hing, war es doch eine Häufung von kuriosen Defekten, die wir so noch in keinem Zimmer bisher erlebt haben. Es begann mit der Zwangshandlung der Gattin, das Fenster zu öffnen, noch bevor die Zimmertür ins (verkehrt herum schließende) Schloss gefallen ist. Dabei verabschiedete sich die Vorhangstange nach unten, wo sie auf das lose Fensterbrett traf (das aber den Aufprall überstand ohne selber herunter zu fallen). Der ebenso lose Fensterrahmen blieb zum Glück auch in der Mauer. Die Steckdose kam als nächstes aus der Wand, dann folgten die Erlebnisse in der Dusche, deren Hahn durchdrehte und nur kochend heißes Wasser lieferte, aber mit etwas Mühe ward eine Stellung gefunden, die das Duschen ermöglichte, bis dann das heiße Wasser alle war…. Einen Lichtschalter im Bad gab es auch nicht, nur einen Bewegungsmelder, aber auch dafür fand sich eine Lösung. Schwieriger war es mit der Schiebetür zum Bad, die beim Schließen aus der Führung fiel und Susi mich von außen befreien musste (zum Glück war das Bad so klein, dass immer nur einer darin sein konnte). Es fehlte eigentlich nur die versteckte Kamera, um all das aufzuzeichnen 😉
Nach einem mäßigen (Hotel-) Frühstück rollten wir hinunter an die Rhône, wieder auf den Damm. Die Wetter-App hatte heute auch einen Aussetzer und bescherte uns leichten Rückenwind. In Belley, nach 25 Km gab es einen Carrefour-Supermarkt in ausreichender Größe um darin eine Frischtheke erwarten zu dürfen und tatsächlich gab es dort die beste gepfefferte Entenleberpastete der Welt. Diese und noch ein großes Stück fast abgelaufenen Roqueforts haben wir an einem sonnigen Platz direkt am Ufer genossen, mit Blick auf die Felswände des Jura, durch den sich die Rhône hier gegraben hat.






Chanaz ist nun gleich ums Eck, die Etappe fällt sehr kurz aus, weil wir gestern so viel vorgelegt hatten. Als wir vor dem Hotel ankommen fällt mein Blick auf einen kleinen Kiosk, der Bootstouren anbietet. Das nächste Boot geht in ca. einer Stunde und fährt eine große Runde von der Rhône über den Kanal Savières in den See Lac du Bourget (an dem der berühmte Kurort Aix-les-Bains liegt), da kaufen wir doch gleich mal Tickets und müssen die Strecke dann nicht mit dem Rad fahren (denn zum See wollte ich auf jeden Fall). Unser Hotel, gleich an der Schleuse zwischen Kanal und Rhône gelegen, ist ein zweckmäßiger, moderner Bau und der Mangel an Flair wird sehr gut kompensiert durch eine absolut defektfreie Elektro- und Wasserinstallation, die Vorhänge, die nicht mit dem Fenster kollidieren und anderen Annehmlichkeiten, wie z.B. Luftpumpen im Fahrradschuppen.
Die Fahrt mit dem Boot entpuppt sich als wahres Juwel touristischen Angebots, das sich sonst hier auf die durchgehende Beschilderung des Rhône-Radwegs beschränkt. Zuerst werden wir durch eine Schleuse auf das Niveau der Rhone angehoben, um dort eine kleine Rundfahrt zu machen, mit ausführlichsten Erklärungen des Kapitäns zu der Schleuse (von seiner Tochter bedient), den Wasserkraftwerken, Wassertiefen und anderen Details, nur für Einheimische verständlich. Dann geht es wieder zurück in den Kanal, der uns durch das sehr hübsche Dorf Chanaz führt und weiter einige Kilometer durch grünen Urwald bis zum See Bourget (der dem Gardasee sehr ähnlich ist), auf dem das Boot einen großen Bogen fährt um schließlich durch den Kanal zurück nach Chanaz zu fahren. Dort steigen wir aus, um uns noch ein Bierchen an der Mole zu gönnen, bevor wir zum Hotel zurücklaufen. Das Restaurant für’s Abendessen (mal wieder bodenständig mit Salat und Pizza) liegt gleich neben dem Hotel, was angesichts des aufkommenden Gewitters auch wieder sehr praktisch ist. Ein rundum gelungener Tag!








38 Km, 140 Hm, völlig unterfordert
