Bei strahlendem Sonnenschein und fast schon heißen Temperaturen in Brig gestartet, steht heute eine echte Bergetappe auf dem Plan, kurz aber knackig. Aus Brig heraus geht es noch ein paar Kilometer flach am Rhônedamm entlang, dann folgt ein Stück auf der Furkastraße mit viel Verkehr und mäßigem Anstieg – da schrumpfen die Kilometer zum Ziel, ohne dass Höhenmeter dazu kommen, ergo wird der Rest immer steiler werden – blöd. In Filet (Ortsnamen haben die Schweizer…) geht es endlich rechts auf eine Nebenstraße, die sich in einigen Serpentinen nach oben windet, ganz ohne Verkehr mit fetten Blumenwiesen, ein paar Kühen, alten Holzhäusern und Heustadeln am Weg. Zum Glück bleibt der Track länger als erwartet auf kleinen asphaltierten Straßen, meistens rauf, mal etwas runter, bei toller Aussicht auf die gegenüberliegenden Berge, z.B. das Bettmerhorn.

Dann kommt der Moment, wo die Straße endet und die Wanderwege beginnen, zunächst ganz passabel zu fahren, aber dann die erste Rampe mit den unten angekündigten 19%, immerhin kein loser Schotter, sondern schön betonierte Natursteine. Der Weg wird noch etwas schmäler und wald-feucht, es geht hinauf auf über 1200 Meter bis zu einer kleinen Kapelle, deren Vorplatz mit Bank zu einer Pause einlädt. Gleich unterhalb bimmeln zwei Kühe recht harmonisch abgestimmt, fast wie ein Gamelan-Orchester. Ein Schild klärt uns auf, dass wir uns auf einem Jakobsweg befinden, nur 2225 Km bis Santiago, soso.


Auf schmalem Waldweg müssen wir die mühsam erstrampelten Höhenmeter den Bremsscheiben zum Fraß vorwerfen, bis wir an eine alte ‘Römerbrücke’ kommen, die über einen ziemlich wilden Bach führt. Danach sammeln wir alle verlorenen Höhenmeter wieder ein, steil hinauf schiebend, bis endlich der Pfad an einer Straße endet, der höchste Punkt des Tages auf gut 1300 M.






Ab hier ginge es abwärts nach Ernen, unserem Tagesziel, aber da wir noch viel Zeit haben und es in die andere Richtung ganz spannend aussieht, wollen wir uns das näher anschauen. Die Straße verschwindet ums Eck in einem langen Tunnel, aber an der Hangkante verläuft der alte Weg durch die Twingischlucht sehr spektakulär aber praktisch eben in den Landschaftspark Binntal. Wir fahren erst um die erste Kurve, dann um die zweite und schließlich einige Kilometer bis ganz hinter zu einem kleinen Stausee. Unterwegs kommen wir an einigen Kunstinstallationen vorbei, auf dem Rückweg geraten wir sogar noch in die Vernissage dazu. Die Schlucht glänzt im Wortsinne mit einigen spiegelnd glatten, fast senkrechten Felsen, über die sich Bäche ergießen, in den Rinnen dazwischen liegt noch eine Menge dreckiger Lawinenschnee.




Zurück auf der Straße rollen wir konstant sanft hinab bis Ernen, direkt in unser Hotel, mit dem etwas phantasielosen Namen ‘Alpenblick’, aber von unserem Balkon sehen wir sogar das Finsteraarhorn, den höchsten Berg der Berner Alpen mit über 4200 M und die schönen alten Holzhäuser des Dorfes.





Weil es noch früh am Nachmittag ist, besuchen wir noch die nächste berühmte Hängebrücke in Mühlebach, noch länger, höher und deutlich nachgiebiger als die Milibachbrücke vorgestern. Spannend fand’s auch die Magengrube.


Zurück im Hotel habe ich die völlig abgefahrenen hinteren Bremsbeläge gewechselt, nach fast 30.000 Höhenmetern nicht gänzlich überraschend.
38 Km, 900 Hm, schieben auf steilen Wanderwegen, hat sich aber sehr gelohnt
