Huelva, zwischen Sümpfen und Salzwiesen

Schon auf der Zugfahrt viele Kilometer vor dem Ziel fiel auf, dass das Tal des Rio Tinto eine einzige Sumpflandschaft ist, vielleicht auch aufgrund der Regenfälle der vergangenen Tage? Besonders pittoresk, dass auf jedem (!) Mast der zahlreichen Stromleitungen ein Storchenpaar nistet und ein Elternvogel die Stellung stehend hält, während der andere brütet oder auf Futtersuche ist, jedenfalls nicht zu sehen ist.

Huelva selbst ist nicht mit Sehenswürdigkeiten gesegnet, hat aber etliche sehr hübsche Häuser mit gekachelten Fassaden und scheint sonst eine ganz normale spanische Kleinstadt zu sein. Sofort ins Auge fällt aber die weiträumige Sperrung der Innenstadt für private KFZ, niveaugleiche Straßenpflasterung und Null Parkplätze an den Straßen, aber große ausgewiesene Sammelparkplätze außerhalb der Sperrzone. Entspanntes Flanieren, wohltuende Ruhe und ein breites Angebot kleiner Läden, aber keine der üblichen Modeketten. Man möchte manche Münchner Referatsabteilungen hierher gerudelt in den Zwangsurlaub schicken…

Auf einem etwas schmalen, aber hübsch am Ufer angelegten Zweirichtungsradweg fahren wir gestern Nachmittag entlang der Mündung des Rio Tinto aus der Stadt heraus bis zu einer großen Statue, die vor 100 Jahren zu Ehren von Kolumbus und seinen Kollegen von den USA gestiftet wurde. Erster Feindkontakt mit völlig verzogenem Kläffer. Die Einsatzpläne für die Verteidigung sind noch in der Erprobung, zwischen Hupe und Pfefferspray fehlt noch ein milderes Mittel als letzte Warnung (vielleicht eine Wasserpistole mit Essig?).

Heute sind wir in das Naturschutzgebiet Marismas de Odiel geradelt, zwischen der Rio Tinto Mündung und dem Atlantik vor den Toren der Stadt gelegen. Hier halten sich zahlreiche Wasservögel auf, darunter viele Flamingos, ein paar Seeadler, Löffelreiher, und, und, und. Gleichzeitig wird hier in Salinen großflächig Salz gewonnen. Und auf der anderen Seite des Rio Tinto ist immer die ausufernde Ölindustrie im Bild.

Dennoch eine schöne Tour durch viele Blumen und leckeren Queller, der für die Brotzeit hervorragend zu den Tomaten passt.

Nach 20 Km Fahrt kommen wir an einen menschenleeren und endlosen Strand. Da ist er, der Atlantik, der uns jetzt ein paar Tausend Kilometer nicht mehr aus dem Blick geraten sollte.

Wegen der vielen Muscheln wäre es viel zu gefährlich, baden zu gehen 😉 außerdem liegen auf dem Meer viele Öltanker, da besteht doch der Verdacht, dass das Meer nicht nur aus Wasser ist. Auf dem Rückweg genießen wir den Rückenwind, dessen Unterstützung wir uns auf dem Hinweg erarbeitet haben. Die erste nennenswerte Strecke von 45 Km ist geschafft und am Ende scheine ich mich für die nächste Runde qualifiziert zu haben. Morgen wollen wir die erste Etappe bis Ayamonte fahren, die uns unserem Ziel ein gutes Prozent näher bringen soll.

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