Wie eigentlich jeden Morgen beginnt die Etappe mit einem Desaster im Sand, bis wir uns zur nächsten asphaltierten Straße durchgeschlagen haben. Wer diese ‘Radroute’ EuroVelo 1 definiert hat, sollte die Route zur Strafe selber fahren müssen, aber nicht auf einem Quad sondern einem Fahrrad! Auf dem Weg nach Porto Covo versuchen wir ein weiteres Mal auf den Track zu gelangen, es endet aber wieder im Sand und mit unnötig verschlissenen Kräften. Durch merkwürdige Anwesen hindurch finden wir zur Straße zurück. Auf der bläst nur der Wind von vorne, aber sonst keine Behinderungen, man muss sogar sagen, dass die portugiesischen Fahrer mit mäßigem Tempo und sehr rücksichtsvoll unterwegs sind – und die Touristen mit ihren Wohnmobilen machen da keine Ausnahme. Nach Porto Covo hinunter führt das sorgloseste Stück des Tages, leicht abwärts mit Rückenwind. Wir rasten kurz auf der hölzernen Plattform oberhalb der Felsen und schauen den Brechern zu, die trotz ablandigem Wind gegen die Küste donnern. Das nächste Ziel ist die Industriestadt Sines, schon von weitem an den großen Hafenkränen, den Containerschiffen und Kraftwerks-Schornsteinen zu erkennen. Die Mittagspause dort, nach 40 Km, ist dringend nötig und wohlverdient. Vor dem Rest des Tages graust uns, denn die Route führt weitgehend parallel zu einer Autobahn, ohne Alternative. Aber wie so oft, kommt es anders als man denkt und die Straße entpuppt sich als völlig verkehrsfrei und bestens zu befahren und auch auf der Autobahn ist nichts los. Rechts der Straße liegen ausgedehnt Kiefernwälder, deren Stämme zur Gewinnung von Harz teilweise abgeschält werden. Dazwischen blüht Ginster und es duftet intensiv nach Honig.



Die Autobahn endet auf halbem Weg nach Vila Nova de Santo André und wir dürfen auf den Seitenstreifen der Schnellstraße wechseln. Im Ort versorgen wir uns für das Abendessen, denn unsere Unterkunft liegt abseits von allem, nur ein Kneipe versorgt uns nach der erschöpften Ankunft mit Bier. Unsere Vermieterin ermuntert uns aber später, die Orangen aus Ihrem Garten zu ernten und sie schmecken köstlich!
Diese Gegend ist berüchtigt für die kläffenden Köter, die auf jedem Grundstück gefühlt zu Dutzenden, zwar meist eingesperrt (aber kann man sich sicher sein?) die Menschheit terrorisieren. Nicht mal Meister Yoda hätte die Kräfte, diese Monster zum Schweigen zu bringen.
Die 65 Km und 550 Höhenmeter waren ein wenig heftig, denn heute war es trotz diesigem Himmel das erste Mal fast zu warm, 28°! Aber von hier müssen wir nur noch einen Tag bis Setubal radeln, einem ‘Vorort’ von Lissabon, wo wir einen Tag Pause einlegen werden, bevor es mit Zug und Fähre direkt ins Zentrum der portugiesischen Hauptstadt geht.
