Mit dem bunten Bummelzug nach Óbidos (ob der Tauber)

Die Zugfahrt nach Óbidos fiel in die Kategorie ‘very local’, also landestypische Erfahrungen, über die der Einheimische lacht und der Tourist staunt (wenn alles gut geht). Heute ging alles gut, aber das weiß man erst hinterher.
Im Bahnhof Lisboa-Rossio hält der Schalterbeamte unsere Idee, mit dem Zug nach Óbidos zu fahren für keine gute, bequemt sich dann aber doch, ein Ticket für die erste Etappe mit dem Vorortzug zu verkaufen. Die nächste Hürde ist die Schleuse, durch die man mit dem Fahrrad muss – sie öffnet sich und schließt wieder und schon bin ich gefangen. Nur mit freundlicher Hilfe eines Bettlers, der die Macken der Technik kennt, gelangen wir hindurch. Zum Umsteigen in den Regionalzug nach Óbidos haben wir 2 Stunden Zeit in Meleças, einer Vorstadt-Hochhaus-Siedlung mit ‘Bloß weg hier’-Charme auf einem steilen Hügel, den wir uns mit dem Rad hinaufquälen, denn nur oben gibt es was zu essen.
Just als wir in den Zug einsteigen, stürmt und kübelt es los und hört genau 2 Stunden später, als wir in Óbidos ankommen wieder auf. Die Fahrräder mussten an zwei Haken hinter dem Lokführer aufgehängt werden, der dann kaum noch aus seinem Führerstand hinauskommt. In der Zwischenzeit steht das Land, mit viel Weinanbau und Obstbaum-Plantagen, Knöchel- bis Knietief unter Wasser.

Óbidos gilt als das besterhaltene mittelalterliche Städtchen Portugals, hoch auf einem steilen Hügel, mit einer intakten Burgmauer. Natürlich liegt unsere, fast in den Berg gehauene Unterkunft am höchsten Punkt nahe der Burg und der Weg vom Bahnhof dort hinauf über das steile Pflaster ist beschwerlich.
Überhaupt ist in Portugal Kopfsteinpflaster aus kleinen weißen Kalksteinen die bevorzugte Art, Gehwege und Plätze zu gestalten. Sobald diese aber nass werden, wären Grödel das angemessene Accessoire, sofern man keine Schlittschuhe zur Hand hat.
Die Dichte der Souvenir- und Spezialitätengeschäfte könnte in Rothenburg nicht höher sein… Im Gegensatz dazu ist die Burgmauer gänzlich ungesichert zu umrunden, geradezu unerhört, welche Eigenverantwortung den Menschen hier zugemutet wird.

Für die Nacht zu Karfreitag wird die Kirche lila angestrahlt, aber hinter der Pforte ist ein Buchladen eingezogen, so kann man sich täuschen.

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