Von Pedrogão nach Figueira da Foz

Ostersonntag! Schon vor dem Frühstück wird uns eine Stunde geklaut und ein Regenbogen serviert. Das Frühstück ist überaus üppig, mit einer großen Karaffe frisch gepresstem Orangensaft und viel Rührei mit Speck. Von allem, was uns auf den Tisch gestellt wurde schaffen wir nur die Hälfte – und nehmen den Rest als Brotzeit mit, was sich im Verlauf des Tages als sehr weise Tat entpuppt. Weniger weise war es, die Fahrradflasche auf dem Mäuerchen vor dem Hotel stehen zu lassen, der erste Verlust. Aber bei 9° auch kein Beinbruch. Es geht durch weite offene Flächen, die uns im unklaren lassen, ob hier vor Jahren riesige Waldbrände gewütet haben (einige Baumskelette stehen noch) oder ob hier mal Akazienplantagen standen, die nun abgeerntet sind. Regelmäßige Furchen im Sand weisen auf Maschineneinsatz hin, aber ob hier wirklich neuer Wald gepflanzt werden soll? Auf jeden Fall gedeiht die Macchia. Die Sonne scheint, aber riesige weiße Wolkentürme sind nie weit und die Sorge, dass sie unseren Weg kreuzen um just über uns die Schleusen zu öffnen, begleitet uns den ganzen Tag. Die Straße ist super zu befahren und es fühlt sich an wie an einem autofreien Sonntag in den 70ern. Aber, oh weh, da steht nach 100en Kilometern sorgenfreien Radelns wieder ein ‘EuroVelo 1’-Wegweiser. Das muss man leider als Drohung verstehen, denn es folgen unweigerlich Pfützen, Schlagloch- oder Schotterpisten, die wir für einen ca. 20 Km langen Umweg befahren müssen, um einen Fluss zu queren. Dafür kommen wir an einem Schwarm mehrerer hundert Flamingos vorbei, der sich von uns aber auch gar nicht animieren lässt, mal in die Luft zu gehen.
Nach 40 Kilometern ohne Pause sollte ein Restaurant am Weg liegen, aber es hat, wie fast schon befürchtet, geschlossen – Ostersonntag ist absoluter Shutdown. Nach zwei Regenschauern und nun 50 Kilometern kommt endlich wieder ein sonniger Abschnitt, der eine Brotzeitpause mit den Frühstückssemmeln im Stehen erlaubt.
Jedes Stockwerk der Hochspannungsmasten hier ist hier von Störchen besetzt, obwohl sich der Netzbetreiber durch allerlei beweglichen Schnickschnack bemüht, die Kurzschlussgefahr zu reduzieren, fällt sicher ab und zu gegrillter Storch vom Himmel, wohl eine zeitgemäße Interpretation des Schlaraffenlandes.

Bis Figuera sind es dann nur noch ein Dutzend Kilometer, die allerdings, ein Störfaktor muss immer sein, gegen den auffrischenden Wind zu fahren sind. In Figueira kommen wir in einem fast 150 Jahre alten, cool restaurierten Haus unter. 63 Km, 400 Höhenmeter, guter Durchschnitt.
Highlights des Tages: 1. Zwei herrenlose Hunde auf der Landstraße, die vor uns Angst hatten. 2. Auf Schafen reitende Reiher.

Figueira hat einige sehr hübsche alte Häuser, aber ebenso viele kompakte (Ferien-) Wohnblöcke, so dass das Gesamtbild nicht wirklich überzeugt, anders das uns empfohlene ‘sehr portugiesische’ Lokal Caçarola, in welchem wir ein Cataplana de Marisco bestellen, das ist in etwa ein Wok voll Meeresfrüchte. Sehr mühsam zu essen, aber so lecker, dass es die Mühe absolut wert war.

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