Den ganzen Vormittag hat es, wie vorhergesagt, geregnet, aber das soll der letzte Regen für die nächsten 2 Wochen gewesen sein! Wir dürfen bis 12 Uhr im Appartement bleiben und nutzen die Zeit für das Sammeln von Informationen für die Entscheidung, wie wir hinter Santiago weiterfahren – an der Küste der Biscaya oder den klassischen Jakobsweg durchs Landesinnere. Wir verlassen Pontevedra noch im Regen und fahren entlang der Küstenstraße, in dichtem Verkehr – lästig. Aber es zeichnet sich schon bald eine Besserung am Himmel und auf der Straße ab, ein letzter heftiger Schauer bei dem wir uns in einem Hauseingang unterstellen und die mitgenommenen leckeren Schinken-Tomaten Tostadas verspeisen, dann können die Regensachen ins Körbchen. Am nächsten Kreisel biegen wir rechts ab, hinauf in die Berge und es fahren fast keine Autos mehr auf dieser wunderschönen, aussichtsreichen Straße. Sogar die Sonne scheint und die Wolken werden weniger.


Bis auf 200 m geht es hinauf in dichtem Wald, dann auf langen schönen Abfahrten durch Weinberge hinab, leider kommt der Wind nun ganz falsch von vorne und das bei nur 13-15 Grad. In Cambados verpeilen wir die Mittagspause, geraten in ein Café, welches nichts zu beißen im Hause hat um dann bei einem 2. Stop mit reichlich Kuchen abgefüllt zu werden. Wir haben den kulturellen Wechsel von Portugal nach Spanien noch nicht verarbeitet: Die Sitte, zu jedem Getränk eine Kleinigkeit dazu zu stellen, Erdnüsse, Chips, Weingummis, wird sogar in manchen Cafés gepflegt und plötzlich hat man vier Stück Kuchen am Tisch, zwei gekaufte und zwei geschenkte. Dafür wird man beim Abendessen von Tapas (und was anderes gibt es nicht) keineswegs satt, von Salat ganz zu schweigen, der in Spanien wohl ausschließlich für den Export angebaut wird.
Von Cambados bis zu unserem Zielort Vilagarcia fahren wir nur noch durch aneinandergereihte Ortschaften ohne jeglichen Charme, schade. Plötzlich ein Fahrradladen, der offen hat und ich bekomme eine neue Trinkflasche. Ganz zum Schluss, die letzten beiden Kilometer, fahren wir auf der Strandpromenade, fast wie an der Algarve. Unser Hotel war verlockend günstig und liegt prompt an der Hauptdurchgangsstraße, immerhin mit Meerblick und Schallschutzfenstern. 42 Km, 550 Höhenmeter, die sich heute irgendwie nach mehr angefühlt haben. Morgen nehmen wir Kurs auf das nächste große Etappenziel, Santiago de Compostela.
