Angesichts einer weiteren anspruchsvollen Etappe (aber anders kommt man nicht über die Berge) sind wir in Villafranca früh aufgebrochen, nur schnell noch einen Kaffee in einer schon offenen Bar getrunken. Die ersten gut 20 Kilometer ging es relativ sanft auf und ab in einem nur leicht hügeligen Weinbaugebiet in Richtung Ponferrada. Die zu erklimmende Bergkette mit vielen Windrädern am Grat hatten wir schon im Blick. Ponferrada hat einen alten Stadtkern mit einer Burg, besteht im übrigen aber aus den bekannten Hochhausblöcken und endlosen Einfallsstraßen mit allerlei Fabrik- und Gewerbehallen. Für die Pilger eine gehörige Zumutung, die stundenlang da durch latschen müssen.
Nach einem ordentlichen Frühstück und einem belegten Baguette im Vorratsbeutel begann die als schrecklich eingestufte Bergfahrt auf den höchsten Pass des Jakobswegs, zunächst in das ganz hübsche Dorf Molinaseca mit einer romanischen Brücke und ein paar alten Kirchen (wie in jedem Dorf, ist eine Kirche nicht genug). Von hier an ging es in passabler Steigung durch ein weites, wunderschön grünes, blühendes Tal. Selten kommt ein Auto vorbei und wenn, handelt es sich meist um Pilgertaxis. Wir machen eine Pause in einem pittoresk, aber verlassen wirkenden Bergdorf.
Mit der Höhe ändert sich die Vegetation und die Weite des Blicks auf ferne Gipfel, dessen Genuss aber während der Fahrt zunehmend schwerfällt, es wird manchmal doch arg steil. Nach nochmal 100 Höhenmeter setzen wir uns, leicht unterzuckert, auf die Leitplanke und verputzen einen Teil des mitgebrachten Baguettes, aber nicht alles, denn wer weiß, ob es oben überhaupt noch was zu beißen gibt.





In El Acebo, unserem Tagesziel auf 1150m angekommen stellen wir erleichtert fest, dass es doch ein offenes Restaurant gibt und genießen Salat und ein Glas Bier, bevor wir die letzten 150 m zu unserer Unterkunft, einer Art Berghütte radeln. 39 Km, 930 Höhenmeter, morgen dann nur noch 350 Meter fies steil hinauf und wir sind für’s erste ‘über den Berg’.
Jetzt muss ich doch mal eine Lanze für die Pilger brechen, die sich hier genauso abmühen wie wir und letztlich dafür sorgen, dass es auch für uns Unterkunft und Verpflegung gibt, letztere oft in Form eines sehr günstigen Pilger-Menüs, 3 Gänge, einfach, aber zum Sattwerden. Außerdem stellen wir fest, dass diese Art des Reisens, mit einem fernen Ziel vor Augen, uns doch mehr mit den Pilgern verbindet als wir gedacht hatten. In den Ortschaften, bei der Rast, tauschen wir uns aus mit vielen Wanderern aus aller Herren Länder und treffen sogar ein Paar, dass auch, wie wir, ‘verkehrt herum’ unterwegs ist.



Nach dem Abendessen steigen wir ein kurzes Stück den Camino hinauf bis zu einem sensationellen Mirador, mit Bank und dem besten Sonnenuntergang der bisherigen Reise. Dazu hören wir aus Hape Kerkelings ‘Ich bin dann mal weg’ das Kapitel über El Acebo, an welchem Ort könnte es besser passen…
