Heute mal ausschlafen und in Ruhe frühstücken, auch wenn dieses sehr karg ausfällt, aber Kaffee und Orangensaft sind dafür herausragend. Ein Franzose auf einem noch nie gesehenen Zwitter aus E-Bike und Tretroller mit Einachs-Anhänger trifft, vom Pass kommend, ein und erzählt von seinen Knieproblemen unterwegs, die er mit diesem (Schrott-) Rad gelöst hat. Hoffentlich fährt er nicht zu schnell mit den winzigen Reifen -krass der Typ, wie so manche der Pilgerinnen und Pilger. Um 11 starten wir in die erste Spitzkehre, es ist steil und bleibt steil für die nächsten 4 Kilometer, ganz zum Schluss, als Sahnehäubchen, 16%, dann sind wir auf der ersten Passhöhe oben. Habe ich schonmal erwähnt welches Glück wir mit dem Wetter haben? An der Biscaya ist es bewölkt und kalt und wir sehen diese Wolken im Norden an der Bergkette hängen, wie sie es nicht herüber schaffen, fast wie bei Fön in den Alpen.


Auf nun 1500 m Höhe geht es ein paar Kilometer auf und ab, parallel zum Wanderweg, auf dem heute viele Pilger unterwegs sind, manche gehen auf der Straße, wahrscheinlich wegen wunder Füße. Die hier noch hellgrünen Bäume passen farblich hervorragend zu den violett blühenden Büschen dazwischen.
Wir erreichen einen berühmten Punkt des Caminho, das eiserne Kreuz, an dessen Fuß die Pilger einen von zuhause mitgebrachten Stein ablegen um symbolisch die Sorgen dort zu lassen. Mangels heimischer Kiesel hinterlassen wir ein Bonbon, ob das genauso wirkt? Eine asiatische Wandergruppe mit Busbegleitung amüsiert uns.


Hinter der nächsten Kurve überrascht uns ein atemberaubender Blick in eine schier endlose Ebene, durch die wir in den kommenden Tagen über Leon nach Burgos fahren werden. Jetzt liegen 700 Hm Abfahrt vor uns, der Lohn der Qualen der letzten Tage. Kurz machen wir noch Pause in Foncebadon, das sich von seinem Image als Geisterdorf etwas emanzipiert hat und zwei offene Wirtschaften hat, 2. Frühstück und dann bergab, fast ohne bremsen.


In der Ebene angekommen sind es noch 15 lockere Kilometer bis Astorga, unserem Tagesziel. Dort haben wir ein Zimmer im Hotel Gaudi direkt gegenüber des berühmten Bischofspalasts von Gaudi, den wir besuchen. Ein eigentümlicher Bau, in kein Schema passend, teuer und eigentlich nutzlos, denn der Bischof ist vor Fertigstellung verschieden. Aber die Handschrift von Gaudi ist unverkennbar, obwohl er im Laufe des langjährigen Baus aus Ärger über die ständigen Änderungswünsche des Auftraggebers entnervt hingeworfen hat.



Sonst ist Astorga durchaus urban, mit viel Fußgängerzone, gut versorgt mit Bars und Cafés. Es sei noch erwähnt, dass alle Glocken in Astorga defekt sind und die Uhrschläge klingen, als wenn man sehr lauf auf Kochtöpfe haut – entsetzlich nervig.

Heute 39 Km, 530 Hm, wieder im grünen Bereich.
