Von Hontanas nach Burgos

Die Aussicht, das bepackte Fahrrad gegen den Sturm einen steilen, ausgewaschenen Feldweg bergan schieben zu müssen führte dazu, dass die Gattin als wirklich letzter Gast das Albergo verlassen hat – was die zu erbringende Kraftanstrengung nicht im mindesten reduzierte. Auch die Temperatur wollte sich heute gar nicht bewegen und lag bis weit nach Mittag im einstelligen Bereich.
Auf den kahlen Hochebenen stehen viele Windräder im doppelten Sinn, und auch sonst kann den Wind nichts bremsen. Da es weit und breit nichts zu sehen gibt, werden wir vom unaufhörlichen Strom der Pilger (heute aus einem koreanischen Großraumflugzeug gespeist) für das einzig interessante Fotomotiv gehalten.

Zum Gruß muss heute ein Kopfnicken reichen, die Hand lässt man besser am Lenker und ein ‘Bon Caminho’ hört in dem tosenden Wind sowieso keiner mehr, zumal alle Pilger maximal vermummt, wie in einer Trecking Karawane im Himalaya daher kommen. Während ich die letzte, 16% steile Rampe hinauf fahre, schieben zwei Pilgerinnen ihr Mountainbike bergab, ich fasse es nicht! Oben treffen wir einen Franzosen mit einem ganz alten Mountainbike und nach einem kurzen Gespräch trottet seine Frau heran, mit einem Marktroller im Schlepptau; kurz darauf schiebt ein Paar ihr Kind in einem Fahrradanhänger gen Santiago, es sind ja nur noch 468 Kilometer. Kurz darauf treffen wir einen jungen Spanier, der auch ‘in die falsche Richtung’ fährt; die Frage nach seinem Reiseziel beantwortet er knapp mit ‘Asien’, auf Nachfrage stellt sich heraus, dass es eine detailliertere Planung seiner Reiseroute nicht gibt, gestern sei er aufgebrochen. Nach einer Weile überholen wir den Jungspund, der ist uns nun wirklich zu langsam. Die Dichte an schrägen Typen auf dem Jakobsweg ist weltweit einmalig und hat dazu geführt, dass der Jakobsweg als solcher zum kulturellen Welterbe erklärt wurde.
In den folgenden Dörfern ist jede Restauration geschlossen, so dass wir uns hinter der einzig offenen Tür (einem kleinen Lädchen) aufwärmen und dafür ein Stück Brot und Käse kaufen. Nach 4 Stunden haben wir die 32 Kilometer bis Burgos bewältigt, rekordverdächtiges Schneckentempo und eigentlich typisch für Island. In Burgos aber werden wir belohnt mit einem Zimmer in direkter Nachbarschaft und mit Blick auf die weltberühmte Kathedrale. In einer Bar am Domplatz gibt es endlich die Pintxos, leckere kleine Häppchen auf Spießen, wie wir sie vor Jahren in Bilbao kennen und schätzen gelernt haben. Das Baskenland ist nicht mehr weit.

32 Km, 440 Hm, im besseren Schritttempo

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