Ein krasser Tag! Wir haben uns ködern lassen von der Tourismus-Marketingabteilung der Provinz Navarra. Versprochen wurde uns eine Via Verde del Plazaola, ich würde die Strecke eher als Via Mierde bezeichnen. Im Prinzip entlang der ehemaligen Bahntrasse einer Schmalspurbahn von Pamplona nach San Sebastian, entpuppt sich die Route über die ersten 25 Kilometer als eine einzige Zumutung, eine stete Folge steiler Rampen von bis zu 20% zwischen Autobahn und Bundesstraße geführt, beide mit heftigem (LKW-) Verkehr. Zugegeben, für die einstelligen Temperaturen, den Gegenwind und den Nieselregen ist niemand irdisches zuständig, aber es kombiniert sich heute mal wieder alles ungünstigst. In Irurtzun wärmen wir uns das erste Mal in einem Café auf, dann noch mal in Lekunberri, 10 Km weiter. Die Straßen zwängen sich durch ein enges Tal zwischen Felstürmen hindurch, es erinnert uns sehr an die Brennerautobahn, gesehen von der Landstraße.

Erst ab Lekunberri zweigt die Straße bzw. jetzt tatsächlich die Bahntrasse in ein Seitental ab und es kehrt Ruhe ein, die Adler kreisen über uns, oder sind es Geier? Die Via Verde ist nun wirklich so grün, wie angepriesen, dichter Wald schließt sich über den Felsen, mal fährt man durch überwucherte Schluchten, dann wieder aussichtsreich an der Wand entlang bis zum nächsten Tunnel. Das Highlight ist ein 2.7 Km langer Tunnel mit (fast) automatischer Beleuchtung, der nach dem höchsten Punkt der Route nun leicht abwärts verläuft und sich fast mühelos rollend passieren lässt. Zwischendrin tropft es aber heftig von der Decke und an einer Stelle fließt förmlich ein Bach aus dem Berg in den Tunnel und hat dabei wunderschöne Ablagerungen wie in einer Tropfsteinhöhle gebildet, erstaunlich, nachdem der Tunnel ja nur ca. 150 Jahre alt ist. Hinter dem Tunnel fahren wir entlang steiler Bergwiesen, sehr hübsch dekoriert mit Schafherden.




Bis zu unserem Ziel, Leitza, zieht sich die abfallende Bahnstrecke, wenngleich durch wunderschöne Berglandschaft verlegt, in der Kälte wie Kaugummi in die Länge, immer wieder Kehren und Tunnels bis es endlich einen Anschluss an die Straße in den Ort gibt. Obwohl nahe an einer behandlungsbedürftigen Unterkühlung trinken wir, ein wenig von Sinnen, an der Hotelbar ein Bier und versuchen dem Redeschwall des Barkeepers (und Hoteliers) zu folgen. Hier kommen keine Pilger des Wegs und so werden wir als exotische Fahrradfahrer in dieser Bergregion erstmal gründlich ausgefragt.
53Km, 639 Hm, zu feiern gäbe es doppelt, den 2000sten Kilometer und den 20.000sten Höhenmeter, nur ist uns dafür zu kalt.
