F(r)eiertag in Bordeaux

Unglaublich, der erste Sommertag seit Wochen, kein Regen, kein Wind, sonnig und warm! Wie geschaffen für einen ausgiebigen Bummel durch die Stadt, die ein wenig unübersichtlich ist, da es kein markantes Zentrum gibt, an dem man sich orientieren könnte. Heute ist der 8. Mai, Ende des 2. Weltkriegs, Feiertag in Frankreich und es scheint, als wäre jede und jeder auf der Straße, im Café, in der Weinbar, im Bistrot, oder flanieren. Unser erster Programmpunkt ist das Besteigen des Turms Pey-Berland, der allein stehende Glockenturm der Kathedrale Saint André. Wegen der engen Wendeltreppe muss man ein Ticket voraus buchen, was wir gestern gemacht haben. So dürfen wir uns um 10:30 die 233 Stufen hinaufwinden. Das ist wohl der höchste Aussichtspunkt in Bordeaux und natürlich haben wir das Fernglas im Hotel vergessen, das Teil hat sich als das unsinnigste neben den Badesachen herausgestellt. Aber auch ohne Fernglas hat man eine tolle Aussicht und gewinnt eine gewisse Orientierung. Besonders sticht heraus eine Hebebrücke über die Garonne, durch die die Kreuzfahrtschiffe hindurch müssen, die in der Stadt anlegen, das Justizzentrum, der Glockenturm ‘Grand Cloche’, der sich um 11 Uhr sehr laut vernehmen lässt (aber immerhin hat die Glocke einen schönen Klang, anders als die Blechtöpfe in Spanien) und noch die Säule zu Ehren der Girondisten, die eine Rolle in der französischen Revolution gespielt haben.

Nach einem langen Marsch hinunter zum Fluss und wieder zurück in die Stadt kehren wir in einem der unzähligen (> 1500) kleinen Restaurants in der Nähe der ‘Grand Cloche’ ein und essen wieder mal sehr lecker!
Nach einer kurzen Mittagspause im Hotel geht es um 4 weiter zu einer free walking Tour, auf der wir im Laufe der 2 Stunden nicht nur sehr viel laufen sondern auch von dem irischen (!) Guide komplett zugetextet werden, aber dabei wirklich viel interessantes über Geschichte und Gegenwart der Stadt lernen. So ist z.B. ein großer Teil der Stadt UNESCO Weltkulturerbe und deshalb in seiner alten Bausubstanz praktisch unveränderbar. Sehr viele der alten Bauwerke sind in einem gut renovierten und sauberen Zustand, was auf ein Programm des früheren Bürgermeisters Alain Juppé aus den 90er Jahren zurückgeht, der auch die Autos radikal aus der Altstadt verbannt hat, dafür kostenlose Leihfahrräder und eine oberleitungsfreie Straßenbahn initiiert hat.

Ein wenig erschöpft suchen wir eine der empfohlenen Weinbars auf und lassen uns anhand des erlernten Fachwissens über die Weine des Bordelais drei hervorragende Gläser servieren, nebst einer ebenso feinen Käseplatte.

Das Nachtmahl haben wir uns im Carrefour zusammengestellt, die auf mannigfaltigen Ausschlusskriterien beruhende hochkomplexe Auswahl eines weiteren Restaurants hätte unsere mentale Kapazität heute nicht mehr zugelassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert