Die kleine Épicerie ums Eck macht schon um halb 8 auf und ich kann den Kaffee im Pappbecher und die Croissants mit zu uns auf den Balkon nehmen, ein schöner Frühstücksplatz mit Blick auf die Burganlage. Nach dem aufwändigen Zusammenpacken aller frisch gewaschenen Sachen (die sogar richtig sauber geworden sind) gehen wir nochmal zu dem netten Laden und kaufen für die Brotzeit ein.
Am Kanal geht es bei schönstem Wetter weiter auf dem Trampelpfad nur ist dieser gestern wieder abgetrocknet und es fährt sich meist ganz angenehm, abgesehen von der Unsitte, an den Schleusen diverse Hindernisse und Schikanen aufzubauen, um damit die Radfahrer zum Absteigen zu nötigen. Die Landschaft hat sich schon merklich gewandelt und man riecht förmlich das Mittelmeer schon, Zypressen säumen den Kanal und Wein wird auf weiten Feldern angebaut.


An einer Dreifachschleuse wartet ein Boot darauf, dass die Schleuse frei wird und derweil spielt und singt einer der Passagiere auf dem Vorderdeck mit seinem Akkordeon ein Stück von Jacques Brel, wie wir von einer kundigen Radlergruppe aus Belgien erfahren, die auch angehalten haben und sogar mitsingen können. Die Melodie hat Monsieur Brel von Greensleeves geklaut und dem Werk den Titel ‘Amsterdam’ gegeben. Eine super nettes Erlebnis zwischen Rad- und Bootsfahrern.
Zur Mittagspause versuchen wir uns im einzigen Restaurant in La Redorte, vergeblich, die vielen einheimischen Bootstouristen haben alles schon reserviert, da bleibt uns nur die Parkbank am Kanal, aber wir hatten das ja kommen sehen und Baguette, Wurst und Käse eingekauft. Rechts und links in den Hügeln bauen sich gewaltige Wolkentürme auf und wir sind gespannt, ob die Vorhersage, dass es nicht vor 4 gewittert zutreffen wird… In Homs gibt es tatsächlich ein offenes Café (ALLE Restaurants schließen immer um 2) und wir bestellen einen solchen, dabei verfolgen wir gespannt die Entwicklung am Himmel, wo die Sonne hinter den Wolken verschwindet und es anfängt zu donnern. Es sind nur noch 6 oder 7 Kilometer bis nach Roubia, aber es wird knapp. Zwar kommen wir trocken an, aber es sind noch ein paar Minuten, bis uns der überaus freundliche Bruno das Garagentor öffnet und wir im Maison “L’Oiseau bleu” vor dem Gewitter Unterschlupf finden. In dem putzig winzigen Innenhof sitzen wir in Trockenen auf einer Couch bei einem sehr feinen Glas Rotwein aus der Gegend bis die Sonne wieder scheint. Besonders erwähnt werden muss das Bad, im Wortsinne ein ‘Salle de bain’, ausgestattet mit einem Kamin, einem Waschbecken auf dem Untergestell einer Nähmaschine und einem, an die Wand geschraubten Stück Seife, sehr cool!



54 Km, 121 Hm, Schotter, aber trocken, dafür schon dankbar
