Von Mornas nach Rochemaure

Heute kamen zwei Handicaps zusammen, ein heftiger Mistral und eine heftige Erkältung so dass wir beschlossen haben, den Zug zu nehmen. Die Kilometer zum Bahnhof waren anstrengend, aber der Wind war wenigstens warm und viele Hecken und Bäume schaffen immer wieder windarme Abschnitte. Die Brücken über die Rhône sind dann aber doch spannend, denn hier kommt der Wind von der Seite und man möchte ja nicht in den Gegenverkehr geraten oder gar ins Wasser geblasen werden. Der Bahnhof in Bolleine de la Croisiere ist menschenleer, das Gebäude verschlossen und es findet sich auch weit und breit keine Ortschaft. Ein Gatter zum Bahnsteig lässt sich öffnen, die Zuganzeige funktioniert und tatsächlich kommt der Zug, sogar pünktlich. Zum Glück hatte ich aus Langeweile noch die Fahrräder auf der homepage der Eisenbahngesellschaft angemeldet, denn kaum sind die Türen ganz offen, springt die Schaffnerin erregt heraus und herrscht uns an, die Reservierung vorzuzeigen (das Zugticket interessierte sie nicht). Die Räder müssen, obwohl wir nur eine Viertelstunde mitfahren, abgepackt und aufgehängt werden. Der arme Tropf, der nach uns einsteigen möchte hat seinen Stellplatz für einen späteren Zug reserviert, wird aber dann doch unter wüsten Maßregelungen gnadenhalber mitgenommen. Bis Montélimar hat sich die Dame beruhigt und winkt mir sogar zum Abschied (ich habe ja brav ihren Anweisungen folge geleistet) – könnte ja sein, dass wir uns morgen wieder sehen, auf dem Weg nach Valence, denn der Sturm soll erst übermorgen nachlassen…
In Montélimar gegenüber vom Stadtpark bekommen wir zu Mittag zwei riesige Salatschüsseln und es gesellt sich ein Hahn zu uns an den Tisch, kräht ab und zu und frisst mir aus der Hand – das ist allemal besser als Tauben oder Spatzen. Die Eigentumsfrage konnte im Verlauf des Mittagsmahls aber nicht geklärt werden.
Dann geht es noch wenige Kilometer weiter nach Rochemaure, über eine wirklich lange (‘Himalaya’) Hängebrücke, die anstelle der alten, abgerissenen Straßenbrücke erbaut wurde. Mit Seitenwind und Fußgängern durchaus anspruchsvoll.

Rochemaure ist ein mittelalterliches Dorf am Fuße einer Burg und sehr fotogen. Wir haben ein Zimmer in einem sehr alten, sehr verwinkelten, sehr schön restaurierten Haus ‘La Tour des Remparts’. Dusche und Klo sind mangels Platz in einem Wandschrank untergebracht. Von der mit Weinreben überwachsenen Terrasse geht ein toller Blick ins Rhônetal, denn natürlich ist unsere Unterkunft wieder mal ziemlich weit oben.

Wir hatten übrigens Glück, dass wir überhaupt ein Zimmer bekommen haben – die sind wohl sehr begehrt, anders als der Rest des Dorfes, indem wohl die Hälfte der Häuser zu verkaufen oder aber schon komplett in sich zusammengefallen sind, da reicht ein scharfer Blick und die Mauerreste fallen auf den, der nicht zügig genug vorbeigeht.

20 Km, 50 Hm, Mist-ral

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