In dem Dorf Vulbens gibt es eine Bäckerei, die uns mit einem üblen Kaffee, Orangensaft, Croissant und belegten Baguettes versorgt, zu konsumieren im Stehen neben der stark befahrenen Straße. Besser wird’s nicht mehr bis Genf. Es ist ziemlich frisch geworden und die Sonne lunzt nur ab und zu mal durch die Wolken, die im Laufe des Tages immer dichter werden. Der Weg nach Genf verläuft erstmal ganz hübsch durch auf wenig befahrenen Wegen wieder hinunter zur Rhône, dann gibt es eine Diskrepanz zwischen GPS-Track und Beschilderung, die dazu führt, dass wir einen ziemlichen Umweg und ein paar Serpentinen zusätzlich fahren. Jede Entscheidung zwischen zwei unbekannten Varianten kann zufällig richtig sein, meistens aber falsch, nur wegen Murphy. In einem der Dörfer fällt mir auf, dass die Radwegschilder eine Schweizer Fahne zieren und die Autos alle Schweizer Kennzeichen haben – wir haben also irgendwo völlig unbemerkt Frankreich verlassen. Bis Genf geht es durch hübsche Vororte, aber mit ständigen Richtungswechseln und Kreuzungen bis wir in einem Stadtpark hoch über dem Zusammenfluss von Arve und Rhône landen, der keinen Ausweg in die Stadt zu haben scheint. Von oben haben wir aber Aussicht auf Genf und erhaschen einen Blick auf die Spitze der berühmten Fontäne, die vom Wind ganz schön verweht wird. Als wir später am See ankommen, ist sie abgeschaltet – so ein Mist. Grund ist, das verwundert jetzt nicht wirklich, der starke Wind, der uns wie immer entgegen weht.


Mit Rat eines ortskundigen Opas finden wir einen steilen Serpentinenweg zu einer Brücke über die Rhône und gelangen dann endlich an das Ende des Genfer Sees, wo die Rhône sich unter der bekannte Mont-Blanc Brücke mit den Flaggen auf den Weg nach Frankreich macht.






Am See machen wir Mittagspause mit den mitgebrachten belegten Baguettes, die wir in weiser Voraussicht noch in Vulbens erstanden haben – ein Cheeseburger war an der Hafenkneipe für 24€ angepriesen. Genf ist die Stadt mit der zweithöchsten Millionärsdichte weltweit (nach Monaco) und da wundert es nicht, dass auch die Lebenshaltungskosten Weltspitze sind. Wir leisten uns einen hervorragenden Cappuccino, den besten seit Monaten und fahren dann weiter, auf der Südroute entlang des Genfer Sees, denn dann kommen wir bald wieder nach Frankreich – man muss den Aufenthalt in der Schweiz minimieren, das wird noch schmerzhaft genug, die nächsten Tage. Nun fahren wir durch eine landschaftlich sehr schöne Gegend und die Strecke verläuft meist etwas oberhalb des Sees mit grandioser Aussicht, auch auf einen kräftigen Regenschauer, der zum Glück auf der anderen Seite des Sees bleibt. In Excenevex haben wir uns im Hotel de la Plage eingemietet und genießen den Seeblick, leider ist das Wetter gerade nicht geeignet, sich auch nur in die Nähe des Sees zu begeben.
Das ist heute der letzte Abend in Frankreich, zum feinen Abendessen mit getrüffelten Orecchiette werden wir für die Frechheit, die Fontäne in Genf abzuschalten mit einem spektakulären Regenbogen entschädigt.



68 Km, 550 Hm, so ein Gewurschtel durch Genf
