Von Sion nach Brig, mit Seilbahnabenteuer

Das reichhaltige Frühstücksbüffet des Hotel Rhône dezimieren wir so gut es geht, denn es ist wirklich lecker, besonders die Grapefruit-Scheibchen, das Früchtebrot und die zahlreichen Käsesorten. Leider regnet es leicht vor sich hin als wir aufbrechen und wieder auf dem Rhônedamm entlang fahren, heute mal ausnahmsweise ganz ohne Wind. So geht das bis Sierre, welches die Grenze zwischen dem Ober- und dem Unterwallis markiert. Damit einher geht der Wechsel von Französisch zu Deutsch, was manches einfacher macht, aber man muss auch wieder aufpassen, was man so über die am Nachbartisch lästert. Zwischendurch wird das Tal eng, was zur Folge hat, dass die Autobahn zur Landstraße wird und auch wir da fahren müssen, zwar mit Randstreifen, aber mit übermäßig viel LKW Verkehr und hinauf geht es auch noch. Hinter Leuk geht es dann wieder gemütlich auf dem Damm entlang, allerdings haben wir übersehen, rechtzeitig eine Brotzeit zu kaufen, deshalb gibt es in einer Regenpause nur den kläglich Rest vom Vortag. Im nächsten ‘Supermarkt’ im Dorf Raron kauft Susi ein. Während ich warte, fallen mir in unmittelbarer Nähe zwei Seilbahnstationen auf, deren Zweck mir Google schnell erklärt: Zwei Bergdörfer sind mit diesen Bahnen erschlossen und oben gibt es zwischen Unterbäch und Eischoll eine ziemlich spektakuläre Hängebrücke. Wir beschließen, die Seilbahn genauer zu inspizieren, aber da ist niemand. Die Seilbahn wird von der Bergstation bedient, aber ich kann über ein kleines Kästchen Kontakt mit der Bergstation aufnehmen und so erfahren, dass wir die Fahrräder sehr günstig mit hinauf nehmen können. 5 Minuten vor der Bergfahrt öffnet sich die Tür und wir steigen in die Gondel, die uns in kurzer Zeit auf 1200 Meter hinauf befördert, so richtig in die Berge, mit Aussicht, etwas getrübt von den Regenwolken. Zur Hängebrücke sind es dann nur 800 Meter zu fahren, allerdings unvorhergesehen steil bergab. An der Hängebrücke machen wir Brotzeit und diskutieren die Optionen, wie wir wieder ins Tal kommen. Die Entscheidung fällt für die Variante mit zusätzlichen 200 Hm Anstieg, aber dann direkter Abfahrt nach Visp, wo wir sowieso durch müssen, auf dem Weg nach Brig. Die nur 2 Jahre alte, 65 m hohe Brücke ist nichts für schwache Nerven, aber die Schweizer sind ja ein robustes Bergvolk und haben keine Höhenangst. Die Straße führt durch das Dorf Bürchen (Bärchen wäre doch viel netter) und bald danach 700 Hm rasant hinab (bei 64 Km/h war die ‘Tachonadel’) in vielen Serpentinen nach Visp, das sich von oben und unten als grauenvoller Industrie- und Verkehrsknotenpunkt erweist. In der Fußgängerzone gibt es aber einen sehr gut gelungenen Cappuccino. Dann regnet es wieder und wir müssen noch 10 Kilometer weiter nach Brig. Unterwegs inspizieren wir das Briger Thermalbad, welches wir morgen, an dem längst mal wieder fälligen Pausetag besuchen wollen. In Brig schnell noch Bier für den Abend eingeladen und dann zu unserem gebuchten Gästehaus St. Ursula, einem ehemaligen Kloster, an der alten Simplonstraße gelegen. Natürlich ist das die vermutlich in Brig am höchsten gelegene Möglichkeit zu übernachten….

70 Km, 580 Hm, dämlich unentschlossenes Wetter

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